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BdV hilft!

Die PKV - eine gefährliche Beitragswette auf Ihr Leben?

Die PKV - eine gefährliche Beitragswette auf Ihr Leben?

 24.01.2019  BdV hilft!  2 Kommentare  Marco Piotraschke

In den Medien, wie auch im Volksmund, wird oft behauptet, dass Privatversicherte es häufig sehr gut haben. Argumente, wie eine bessere medizinische Versorgung, Beitragsersparnisse oder die Wartezeiten bei Ärzt*innen werden oft an erster Stelle genannt, wenn man über die private Krankenversicherung (PKV) spricht. Was ist aber, wenn die Privatversicherten bei Renteneintritt plötzlich merken, dass die Beiträge für die PKV nicht mehr bezahlbar sind?

Letzter Ausweg: Flucht in die GKV?

Häufig sind die ersten Überlegungen ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung oder eine Kündigung des Vertrages. Viele Privatversicherte wissen aber nicht, dass ein Wechselrecht in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nach Vollendung des 55. Lebensjahrs nur noch mit größten Hindernissen besteht. Der überwiegende Teil der Privatversicherten muss nach der Vollendung des 55. Lebensjahres in der PKV bleiben. Durch diese Begrenzung wird der Versuch unternommen, die „Rosinenpickerei“ zu unterbinden. Versicherte wollen durch den Wechsel in die PKV gegenüber der GKV Beiträge sparen. Je nach Eintrittsalter können Beitragsersparnisse zwischen 300 und 400 Euro monatlich möglich sein. Dieser Fehlanreiz verleitet viele Versicherte, in einen günstigen Vollkostentarif zu wechseln. Über viele Jahre können die Versicherten hierdurch Beiträge sparen, wenn ihre Lebenssituation als Single ohne Kinder bis zum Renteneintritt andauert.

„Leben ist das, was passiert, während Du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen“
(John Lennon)

Was passiert aber, wenn der Lebensweg nicht so verläuft? Dann kann es sehr schnell sehr teuer werden. Ein Rechenbeispiel für einen verheirateten Mann mit zwei kleinen Kindern belegt, dass schnell Kosten von über 1000 Euro auftreten können, wenn die Ehefrau keiner Berufstätigkeit nachgeht. Ob das gerecht oder ungerecht ist, wollen wir an dieser Stelle nicht betrachten. Jedoch ist die Begrenzung auf das 55. Lebensjahr sinnvoll, damit die Versicherten nicht bis zum 55. Lebensjahr die vermeintlich günstigen Beiträge in Anspruch nehmen und später, wenn das Beitragsverhältnis zur GKV kippt, in das günstigere Versicherungssystem fliehen und somit doppelt Beiträge sparen.

Tarifwechsel sinnvoll?

Aber was passiert nun zum Renteneintritt, wenn die Beiträge viel zu hoch ausfallen? Hier hat der Gesetzgeber im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) geregelt, dass Privatversicherte nach § 204 VVG Tarifwechsel, die Möglichkeit haben, ihren aktuellen Tarif, unter Anrechnung der Alterungsrückstellungen und den erworbenen Rechten, in einen gleichartigen Versicherungstarif zu wechseln. Ob und inwieweit ein Tarifwechsel sinnvoll sein kann, hängt vom individuellen Bedarf der Versicherten ab. Auch spielt die Motivlage eine wesentliche Rolle: wird eine Reduzierung des Beitrages oder eine Reduzierung/Erhöhung der Leistung gewünscht? Wir raten auf jeden Fall, vorher eine eigenständige Bedarfsanalyse durchzuführen, welche Leistungen für sinnvoll erachtet werden. Neben dem Tarifwechselrecht hat der Gesetzgeber noch weitere Möglichkeiten eingebaut, damit Privatversicherte im hohen Alter nicht ausschließlich ihre Krankenversicherungsbeiträge von der gesetzlichen Rente bezahlen müssen.

Der Gesetzgeber schuf die Möglichkeit, für Vertragsabschlüsse vor 2009, seine Versicherten bei zu hohen Beiträgen in den Standardtarif wechseln zu lassen. Dieser verspricht eine Limitierung auf den GKV-Höchstbetrag. Für Vertragsabschlüsse ab 2009 hat der Gesetzgeber den Basistarif geschaffen, der ebenfalls eine Begrenzung der Beiträge auf Höchstniveau der GKV beinhaltet. Beide Tarife sind vom Leistungsniveau ähnlich der GKV, sodass keine gravierenden Nachteile gegenüber gesetzlich Versicherten auftreten können. Die Leistungen des Standardtarifs und des Basistarifs orientieren sich am GKV-Leistungskatalog, sind aber nicht deckungsgleich. Bevor die Privatversicherten in den Standard- oder Basistarif wechseln, sollten sie auf jeden Fall prüfen, ob ein Wechsel in einen gleichartigen Tarif nach § 204 VVG nicht sinnvoller wäre. Die Möglichkeit bei Zahlungsschwierigkeiten (Nichtzahlung der Beiträge) oder Insolvenz in den Notlagentarif überführt zu werden, besteht weiterhin. Zu bedenken ist beim Notlagentarif, dass die Leistungen nur bei akuten Schmerzzuständen oder Behandlungen erbracht werden. Der Notlagentarif ist keine Dauerlösung und daher nicht empfehlenswert.

Festzuhalten ist, dass Privatversicherte ihr ganzes Leben eine Wette um die Beiträge eingegangen sind. Erhöhen sich die Beiträge so, dass die Versicherten sie auch im Alter bezahlen können oder sind die Beiträge so stark angestiegen, dass sie zu keinem Zeitpunkt im Rentenalter zumutbar sind? Wenn Sie nun überlegen, dass eine Kündigung der PKV und der damit verbundene Wechsel zu einer neuen Gesellschaft sinnvoll sein könnte, muss ich Sie enttäuschen.

Altersrückstellungen futsch?

Bei einer Kündigung droht der Verlust der Alterungsrückstellungen für Verträge, die vor 2009 abgeschlossen wurden. Auch für Verträge, die ab 2009 geschlossen wurden, werden Alterungsrückstellungen in Höhe des Basistarifs gebildet und für die neue Gesellschaft als Übertragungswert ausgewiesen. Dieser Wert muss bei der neuen Gesellschaft angegeben werden, damit eine Übertragung der Rückstellungen erfolgen kann. Auch hier ist festzuhalten, dass der Übertragungswert deutlich geringer ist, als die gebildeten Rückstellungen im Ursprungstarif, sodass ein Wechsel mit Vorsicht zu genießen ist. Neben dem eventuellen Verlust der Alterungsrückstellungen kommen immer Gesundheitsprüfungen auf die Wechselwilligen zu, die mit steigendem Alter sicherlich eine gewisse Krankheitsgeschichte mitbringen. Versicherer prüfen hier ganz genau, ob das Versichertenrisiko in das Versicherungskollektiv passt oder das Versicherungskollektiv belastet.
Die Versicherungsgesellschaften arbeiten dann, wenn sie denken, dass das Versichertenrisiko tragbar wäre, hin und wieder mit Risikozuschlägen oder Ausschlüssen. Daher ist es schwierig, im hohen Alter einen Neuabschluss zu tätigen. Richtig ist: wer früh stirbt, kann im Zweifel den hohen Beiträgen entgehen, aber sind wir mal ehrlich – wer will schon früh sterben, um seinen PKV-Beitrag zu umgehen, bei einer demographischen Entwicklung, die uns eher verspricht, über 90 Jahre alt zu werden? Daher kann nur die Lösung sein, vernünftige Anbieter zu finden, die gute Tarifalternativen im Alter im Portfolio haben und eine stabile Beitragskalkulation besitzen.

Prüfen Sie genau!

Leider ist das aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase, der steigenden Pro-Kopf-Schäden und der anhaltenden medizinischen Entwicklung eher schwieriger - daher prüfen Sie genau, ob nicht die GKV die bessere und sinnvollere Alternative für Ihren Versicherungsschutz ist.

Hierzu können wir Sie gerne beraten!

Haben Sie hiermit auch schon Erfahrungen gesammelt? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!


Kommentare
Kommentar von Marco Piotraschke  am  28.01.2019 13:49
Lieber PKV-Kunde,
vielen Dank für die Schilderung Ihrer Erfahrungen.

Wir können Ihre Aspekte sehr gut nachvollziehen und setzen uns selbstverständlich für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit innerhalb der Versicherungsbranche ein.

Wir freuen uns, wenn Sie weiterhin, unsere Blog-Beiträge lesen und kommentieren.

Viele Grüße Ihr
Marco Piotraschke
Kommentar von PKV-Kunde  am  24.01.2019 15:23
Beide Seiten dieser Versicherung - die positiven wie die negativen - kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Auf Termine oder beim Arzt warten muss ich nur selten bzw. kurz. Bei einer Leistenbruch-OP meines Sohnes erkannte der Professor gleich, dass sich auf der anderen Seite auch ein Bruch entwickelte und korrigierte ihn in derselben OP gleich mit. Bei einem Ellbogenbruch nahm mir der Professor schon nach einer Woche die Schiene ab und verordnete Physiotherapie (die ich sofort bekam), sodass ich nur vier Wochen krank geschrieben und nach sechs Wochen wieder voll beweglich war. Ich habe meine Zweifel, ob wir in beiden Fällen mit dem jeweiligen Stationsarzt und Warteliste beim Physiotherapeuten genauso gut bedient gewesen wären.
Aber für Privatpatienten bekommen Ärzte auch nahezu alles bezahlt; im Zweifelsfall bleibe ich auf einzelne Rechnungsposten sitzen, wenn ich diese ein Jahr nach der Behandlung zur Erstattung einreiche. Da muss ich mich als Laie schon selbst fragen, ob jede Untersuchung und Therapie wirklich sinnvoll ist.
Meine Beiträge steigen bislang um ca. 5% pro Jahr; als vierköpfige Familie zahlen wir inzwischen 1300€. Ich befürchte, dass die Beiträge steil ansteigen, sobald ich über 55 bin - weil ich dann gar nicht mehr weg kann.
Für die Vorsorge gegen die "Rosinenpickerei" habe ich vollstes Verständnis; nicht aber für die immer noch bestehende Abschottung der PKV-Anbieter gegeneinander. Erst wenn es möglich wäre, ALLE Altersrückstellungen zwischen Anbietern mitzunehmen, dann könnte zwischen den PKV-Gesellschaften eine Konkurrenz auch für etwas ältere Kunden entstehen.
Mein Fazit fällt zwiespältig aus. Einerseits gefällt mir die eher überdurchschnittliche medizinische Versorgung. Andererseits sparen wir erheblich für unsere Altersvorsorge und stellen uns darauf ein, dass der Löwenanteil davon für PKV-Beiträge draufgehen wird. Immerhin fallen bald die Beiträge für die Kinder weg, wenn diese selbst arbeiten.
Übrigens wurde auch mir als Berufsanfänger eine PKV-Vollversicherung aufgeschwatzt, obwohl damals schon klar war, dass ich bald heiraten und Kinder haben würde. Mit dem heutigen Wissen wäre ich in der GKV geblieben und hätte mir PKV-Zusatzversicherungen gekauft, die ich auch wieder loswerden kann, wenn sie zu teuer werden.

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