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Schutzbriefe - tut das Not?

Schutzbriefe - tut das Not?

 08.01.2019  BdV hilft!  0 Kommentare  Benjamin Grossmann

Schutzbriefe von Versicherungen – es gibt inzwischen unzählige davon.
Für das Auto, für den Kredit, für die Technik, für die Wohnung, die Garantie auf den neu gekauften Artikel … – gefunden habe ich jedoch noch keinen, der einen vor unnötigen Schutzbriefen schützt.

Doch was ist das eigentlich, ein Schutzbrief? Ein Schutzbrief umfasst besondere Leistungen der Versicherung. Zum Beispiel, wenn das Auto liegen bleibt, die Organisation einer Pannenhilfe oder bei einem Beinbruch die Bereitstellung einer Haushaltshilfe oder weitere Zusatzleistungen.

Zwischen all den Briefen fragt man sich, welcher getrost in die Tonne kann und welcher sinnvoll ist.

Damit Sie sich nicht den Kopf darüber zerbrechen müssen, fasse ich in dem heutigen Blogbeitrag ein paar häufige Schutzbriefe prägnant zusammen und zeige auf, ob diese sinnvoll sind oder eher nicht. Schlussendlich wird es Einzelfälle geben, wo Sie durch Ihre individuelle Lebenssituation vielleicht eher von einem dieser Schutzbriefe profitieren, als die breite Masse.

Ich fange mit etwas Positivem und Nützlichem an.

Der Kfz-Schutzbrief

Er kostet nur wenige Euro im Jahr in Verbindung mit einer Kraftfahrzeugversicherung und ist auch abschließbar, ohne eine Kaskoversicherung. Der Kfz-Schutzbrief springt ein, wenn das Fahrzeug aufgrund einer Panne liegen bleibt und abgeschleppt werden muss, oder vor Ort mit einer kleinen Reparatur der Schaden behoben werden kann.

Ist man auf Reisen und kann der Schaden nicht sofort behoben werden, dann werden sogar die Kosten für eine Rückreise, Unterkunft oder ein Ersatzfahrzeug gestellt.

Pannen können einem mit jedem Fahrzeug passieren, ob alt oder neu – viele Neuwagen haben inzwischen jedoch eine Mobilitätsgarantie (ähnlich wie bei einem Kfz-Schutzbrief) kostenlos inkludiert, wenn man die regelmäßigen Inspektionen bei der Vertragswerkstatt macht. In diesem Fall wäre man doppelt versichert. Dies sollten Sie prüfen.

Zusammengefasst: Ein sinnvoller Schutzbrief, damit einem nicht der Kopf raucht, wenn der Kühler es macht.

Der Kreditschutzbrief

Nein. Zu kurz? In Ordnung, ich führe es aus.

Der Kreditschutzbrief, kurz „KSB“, sichert die Zahlung der monatlichen Raten eines Kredits ab, wenn Sie in einer bestimmten Lebenslage oder aufgrund eines Ereignisses (zum Beispiel Arbeitsunfähigkeit, dies hängt aber von dem Vertrag ab) nicht mehr die vereinbarten Raten zahlen können. Der KSB steht schon seit langem in der Kritik. Grund sind die hohen Kosten, die manchmal gezielt in einer Finanzierung versteckt werden.

Da bei einem Kreditschutzbrief nicht Ihr individuelles Risiko betrachtet wird, sondern Sie mit allen Versicherten in einen Topf geworfen werden, die bereits schwer erkrankt sind, sehr alt oder auch andere Risiken tragen… Müssen Sie für diese Personen deren Risikobeitrag mitzahlen.
Bei einer Risikolebensversicherung oder einer Berufsunfähigkeitsversicherung wird hinsichtlich der Versicherungsprämie Ihr individuelles Risiko bemessen und Sie zahlen in der Regel bedeutend weniger, gemessen an der versicherten Summe.

Doch das ist noch nicht alles, Händler kassieren für die Vermittlung des Schutzbriefes bei einer Autofinanzierung eine riesige Provision – bis zu 70 Prozent(!) vom Beitrag (siehe Link).
Können Sie sich das vorstellen? Sie kaufen beim Schlachter eine Wurst und der schneidet sich 70 Prozent davon ab und isst sie selber. Nur dafür, dass er diese Wurst im Sortiment ausgelegt hat – er hat sie noch nicht mal produziert. (Ich schätze kleine Dorfschlachter im Übrigen sehr.)

Zusammenfassend: Der Kreditschutzbrief hilft am meisten den Händlern, die diese vertreiben. Einzelabsicherungen z.B. über eine Risikolebensversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung sind bedeutend besser und bemessen an der Versicherungssumme günstiger. Es bleibt beim Nein – sprechen Sie uns beim Absicherungsbedarf gerne an. Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Infoblatt.

Der Haus- und Wohnungsschutzbrief

Dieser wird von einigen Versicherungen in Verbindung mit Hausratversicherungen und Wohngebäudeversicherungen angeboten. Die wichtigsten und existenzbedrohenden Kosten sind bereits in diesen Versicherungen abgedeckt. Grundsätzlich raten wir als Bund der Versicherten ja dazu, nur existenzbedrohende Risiken zu versichern, aber das würde mich oben beim Kfz-Schutzbrief nun etwas in Erklärungsnot bringen.

Diese Schutzbriefe springen zum Beispiel ein, wenn Sie einen Schlüsseldienst rufen müssen, Schädlingsbekämpfer oder Klempner… In der Regel aber auch nur, wenn das Versicherungsunternehmen diese aussuchen darf. Da fängt das schlechte Gefühl an, ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht – aber ich weiß gerne, wen ich mir ins Haus hole oder suche es mir selber aus. Liebe Versicherungen, auch wenn ich euch damit nun etwas unterstelle – mit Sicherheit nehmt Ihr nicht den besten Handwerker, weil der zu viel kosten würde. Das ist irgendwo auch richtig, die Versicherungsgemeinschaft soll ja entlastet werden, aber es muss auch nicht Meister Rörich sein, der am nächsten Tag erneut kommen muss, weil das Treppenhaus nun überflutet ist. (Nur amüsant, wenn Sie die Werner-Filme kennen.)

Auch die vorrübergehende Unterbringung des Haustieres in solchen Fällen ist teilweise versicherbar, tut mir leid – aber wer bringt sein Haustier gerne ins Tierheim oder in eine Tierpension?
Da findet sich doch auch jemand anderes?

Zusammenfassend: Wenn Sie oft Probleme mit verstopften Rohren haben oder dazu neigen Ihren Schlüssel zu vergessen, sicherlich eine sinnvolle Überlegung; wenn Ihnen das jedoch einmal alle zehn Jahre passiert, sollten Sie genau prüfen, wie hoch die Kosten für den Schutzbrief sind und unter welchen Bedingungen und vor allem unter welchen Auflagen dieser greift. Ich war erstaunt, wie teuer diese Schutzbriefe teilweise sind.

Der Handyschutzbrief

Nicht nur ein Thema für die jungen Nutzer, ein Smartphone gibt es inzwischen in über 96,7 Prozent der Haushalte. Der Handyschutzbrief ist nichts anderes als eine Handyversicherung und davon raten wir ab.

Hintergrund ist die Regulierung meist nach Zeitwert – es wird im Schadenfall nur ein Bruchteil erstattet, abzüglich von Selbstbeteiligungen, bei teilweise fehlendem Diebstahlschutz, und das Zubehör ist sowieso nicht versichert und so weiter… Wenn diese Liste abgearbeitet ist, hält man vermutlich ein Nokia 3210 in der Hand – Sie wissen schon, dieses alte Modell, wo nicht das Display zerspringt, wenn es runterfällt, sondern die Fliesenplatte.

Bei einem Raub ist das Handy im Übrigen über die Hausratversicherung mitversichert.

Kurz gesagt: Wir raten davon ab.

Das betrifft alle Schutzbriefe:

Prüfen Sie genau, welche Kosten mit den Leistungen im Schutzbrief in Verbindung stehen und überlegen Sie, wie häufig dieses Ereignis bei Ihnen zutreffen kann – vielleicht lohnt es sich, den Beitrag dafür lieber zu sparen, um diesen auch für andere Ereignisse aufbringen zu können, die nicht vom Schutzbrief abgedeckt werden.

Was für Schutzbriefe kennen Sie noch? Was halten Sie von Schutzbriefen? Hatten Sie bereits gute oder schlechte Erfahrungen?

Über Kommentare zu unseren Blogbeiträgen freuen wir uns!


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