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Nachtigall ick hör Dir trapsen - Misstöne bei der Jahreskonferenz der EIOPA

Nachtigall ick hör Dir trapsen - Misstöne bei der Jahreskonferenz der EIOPA

 03.12.2015  BdV in Europa  0 Kommentare  Dirk Ulbricht

Am Mittwoch, den 18.11.2015 hatte die Europäische Aufsichtsbehörde für Versicherungen und Betriebsrenten (EIOPA) zu ihrer Jahreskonferenz in den (zu) exklusiven Räumen der Frankfurter Messe geladen. In der Liste der Ziele von EIOPA wird auf ihrer Webseite allen voran genannt:„ … die Konsumenten besser zu schützen und das Vertrauen in das Finanzsystem wiederherzustellen.“ Die Art und Weise der Durchführung der Konferenz lässt an diesem Ziel zumindest leise Zweifel aufkommen.

EIOPA hat in den vergangenen Jahren inhaltlich deutlich stärker die Verbraucherinteressen berücksichtigt, als dass die entsprechenden Institutionen in Deutschland, wie z. B. das Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen (BaFin) getan haben. Zuletzt hat EIOPA vor allem die Schaffung der Pan-European Personal Pension Products (PEPP) vorangetrieben. Dabei handelt es sich um eine Privatrente, die die Arbeitnehmer mitnehmen können, wenn sie innerhalb Europas ihren Arbeitsplatz wechseln möchten und die ein hohes Maß an Transparenz mit sich bringen würde (siehe auch PEPP).

Umso erstaunlicher war es, zu erleben, wie wenig Gewicht dem Verbraucherschutz bei der Jahreskonferenz zugesprochen wurde. Immerhin ging es um Solvency II, die Altersvorsorge im 21. Jahrhundert und die Entwicklung der Versicherungsprodukte (siehe auch EIOPA Annual Conference). Von den rund 250 anwesenden Teilnehmern waren genau vier Verbraucherschützer. Neben zwei Vertretern des Bund der Versicherten waren Guillaume Prache von Better Finance, der Brüsseler Dachorganisation europäischer Verbraucherschutz-NGOs sowie Greg van Elsen von BEUC aus Belgien anwesend. Von einer repräsentativen Vertretung aller Verbraucher der Europäischen Union konnte wohl kaum die Rede sein. Immerhin nahm Guillaume Prache an einem der drei Panels teil.

Private Unternehmen bildeten hingegen, noch vor den institutionellen Vertretern wie den Mitarbeitern mehrerer Zentralbanken und der EIOPA selbst die deutlich größte Gruppe. Große Versicherer wie die AXA sowie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie Price Waterhouse Coopers und Deloitte waren stark vertreten. Die Allianz war allein mit fünf Mitarbeitern vor Ort.

Deutliches Übergewicht der Industrie

Ein Grund für das deutliche Übergewicht der Industrie und die geringe Teilnahme insbesondere deutscher Verbraucherschutzorganisationen – obwohl die Veranstaltung verkehrstechnisch günstig in Frankfurt stattfand – dürften der Preis des Konferenztickets in Höhe von 800 Euro zzgl. 19 Prozent MwSt. gewesen sein. Eine derart hohe Teilnahmegebühr ist ein sicherer Schutz vor dem Verbraucherschutz. Hierbei gab es keine Gnade – obwohl die Veranstaltung von der EIOPA ausgerichtet worden war und unter der Schirmherrschaft des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble und des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier stand.

In Anbetracht des deutlichen Übergewichts der Industrie hat mich das Ergebnis einer Umfrage, die unter den Teilnehmern durchgeführt wurde, besonders verstört. Auf die Frage, wer die Zeche für die Digitalisierung zahlen wird, antworteten über die Hälfte der Teilnehmer: die Versicherten. Dennoch ist das Selbstvertrauen der Branche angesichts harscher Kritik an intransparenten und unrentablen Verträgen erstaunlich. Auf die Frage, wer in der näheren Zukunft am besten die Anforderungen der Verbraucher erfüllen würde, antwortete immerhin ein Drittel der Anwesenden: die Versicherer.

 

 

Zu guter Letzt war auffällig, wie stark die Finanzindustrie auch werbend tätig werden konnte. Neben den zahlreichen Sponsoren, die nach Premium, Diamant, Gold, Silber, Bronze und einfachen Förderern unterschieden wurden (ja, so viele Kategorien waren notwendig), konnte sich auch eine Reihe von Unternehmen direkt mit Ständen vor Ort präsentieren (s.Titelfoto).

Fazit: Schade, dass eine inhaltlich derart interessante und hochkarätig besetzte Veranstaltung scheinbar vor allem für die Versicherungswirtschaft ausgerichtet wird.


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