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Gastbeiträge

Sterbegeldversicherung fälschlich in der Kritik

Sterbegeldversicherung fälschlich in der Kritik

 13.06.2016  Gastbeiträge  3 Kommentare  Christian Hanf

Der Deutsche Sterbekassenverband e.V. erhielt vom BdV die Gelegenheit dazu, eine vielfach geäußerte Fehleinschätzung zu korrigieren. Den überzeugenden fachlichen Hintergrund dürfen wir nunmehr als Gastbeitrag hier auf den Seiten des BdV zusammenfassen:


Sterbegeldversicherung fälschlich in der Kritik

Verbraucherschützer platzieren Sterbegeldversicherungen nicht selten auf dem ersten Rang derjenigen Versicherungen, die am wenigsten nützlich seien.

Der Verband schreibt derzeit noch auf seiner Seite in das Merkblatt „Versicherungen, die Sie nicht brauchen“, dass die Sterbegeldversicherung in diesem Ranking auf Platz 1 läge. Zu dieser Einschätzung kamen die Experten der Jury der Aktion „Versicherungskäse“, der der BdV die Plattform bietet. Der Grund:
„Die Sterbegeldversicherung ist eine geldzehrende Kapitallebensversicherung. Wer sie abschließt, zahlt bei langer Laufzeit am Ende häufig mehr ein als die Hinterbliebenen herausbekommen.“

Das fachliche Argument besteht in der Beobachtung, dass die Leistung der Versicherung scheinbar bei den meisten Anbietern überzahlt wird. Mehr einzuzahlen, als am Ende ausgezahlt wird, erscheint verbraucherfeindlich und unnütz.

Wie ist das aber in der Praxis? Stimmt es, dass eine Sterbegeldversicherung meistens überzahlt wird? Nein. Der Fehler liegt in der zu oberflächlichen Betrachtung dieser vom Gesetzgeber besonders geschützten Sparte. Worin besteht denn die Leistung bei einer Sterbekasse?

Der Abschluss erfolgt zumeist auf eine garantierte Versicherungssumme. Es liegt jedoch im Wesen einer Sterbegeldversicherung bei einer Sterbekasse, dass zusätzlich zur garantierten Versicherungssumme mit der Versicherungsleistung auch Anteile an den erwirtschafteten Überschüssen ausgezahlt werden.
Die Gesamtleistung einer guten Sterbegeldversicherung bei einer Sterbekasse beinhaltet mindestens die garantierte Versicherungssumme, die bedeutenden Anteile aus Risikogewinnen und Anteile aus Zinsgewinnen.

Woher kommen die hohen Risikogewinne?
Einzig bei der Kalkulation von Sterbegeldtarifen, deren Anbieter Sterbekassen sind, werden alte und damit sehr vorsichtige Sterbetafeln (1994 T), herausgegeben von der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV), verwendet.
Gemäß den Vorgaben dieser vorsichtigen Prognose zur Sterblichkeit müssen jährlich entsprechende Rückstellungen für Leistungsfälle gebildet werden. Die tatsächliche Sterblichkeit im Bestand ist regelmäßig viel geringer als prognostiziert.

Es treten also jährlich viel weniger Leistungsfälle ein, als Geld für Versicherungsleistungen zurückgestellt werden muss. Wenn durchschnittlich weniger als sechzig Prozent der Rückstellung verbraucht wird, wird der übrige Rest als Risikogewinn wieder an die Versicherten verteilt. Dies geschieht Jahr um Jahr.

Die Risikogewinne sind demnach mindestens mittelfristig weitgehend unabhängig vom Zinsumfeld. Es liegt gerade im Wesen einer Sterbegeldversicherung einer Sterbekasse, dass zusätzlich zur garantierten Versicherungssumme die bedeutenden Anteile aus Risikogewinnen ausgezahlt werden.

Im Verhältnis der Summe der gezahlten Beiträge am Ende der Beitragszahlung zur Gesamtleistung einer Sterbegeldversicherung kommt es somit normalerweise bei Sterbekassen nicht zu einer Überzahlung.

Mit einer Bestattungsvorsorge durch eine Sterbegeldversicherung können schon zu Lebzeiten persönliche Wünsche und Vorstellungen festgelegt werden, ohne die Hinterbliebenen damit finanziell zu belasten.

Der Gesetzgeber begrenzt die Höhe der garantierten Versicherungssumme einer echten Sterbegeldversicherung, wie sie nur von Sterbekassen angeboten wird, auf maximal 8.000 EUR. Gleichzeitig wird die Sterbegeldversicherung durch den Gesetzgeber besonders geschützt.

Wie daraus Vorteile im Vergleich zu anderen Lösungen für die Bestattungsvorsorge abgeleitet werden können, wird in einem weiteren Gastbeitrag fachlich erläutert werden.


Kommentare
Kommentar von Simone  am  23.01.2023 10:42
Es ist vielleicht nicht die allerbeste "Geldanlage", aber da steckt ja noch mehr hinter... man kann auch seine Beerdigung quasi "planen". Seine Wünsche schon mal vermerken und am Ende ist genau das dann auch versichert. Ich finde es hat eher Vorteile. Muss natürlich jeder für sich selbst wissen. Es kann natürlich auch ein Sparkonto eingerichtet werden. Aber geht man erst für die Beerdigung dran? Was wenn es mal einen finanziellen Engpass gibt? An das Geld einer Sterbegeldversicherung ist nicht mal eben dranzukommen. Ich habe mich in den letzten Tagen viel damit beschäftigt und muss sagen, dass ich diese Seite sehr informativ fand: https://www.finanzgewissen.de. Das Thema kann auf vielen Seiten nachgelesen werden. Vergleicht gut bevor ihr abschließt :) Liebe Grüße _ Simone
Kommentar von Alex  am  22.11.2018 20:14
Grundlegend stimme ich zu das es besser Geldanlagen gibt, doch dafür ist die Sterbegeldversicherung ja gar nicht gemacht, dass man groß "Profit" erzielt. Es ist doch lediglich über lange Jahre ein Ansparen von kleinen Beiträgen, die keinem wehtun. Schaut man sich mal die durchschnittlichen Beerdigungskosten an (gute Infos dazu habe ich unter https://www.sterbegeldversicherung.org/beerdigungskosten/ gefunden), dann habe ich lieber über Jahre eine kleine Summe weggelegt als auf einen Schlag 8-10.000 Euro zahlen zu muessen.

Um ein wenig mehr Rendite mit dem Geld ueber die Jahre zu machen kann man alternativ ein Tagesgeldkonto anlegen, aber in Zeiten der extremen niedrigzinsen kommt da auch nicht viel mehr zusammen.

Letztlich ist die Sterbegeldversicherung ein Versicherungsprodukt was die Unternehmen sich ausgedacht haben und da stand nie das Wohl des Versicherten an erster Stelle, wie bei den meisten Versicherungsunternehmen gehts rein darum was zu erfinden, was wieder Beiträge in die Kassen spült ;-)
Kommentar von Peter Wilhelm  am  20.06.2016 16:06
Ich finde es begrüßenswert, daß das mal klargestellt wird. Die Sterbegeldversicherung ist keine Geldanlage, die in erster Linie eine hohe Rendite bringen soll, sondern sie soll am Ende des Lebens eine würdige Bestattung ermöglichen.

Während der gesamten Laufzeit (nach Ablauf der anfänglichen Karenzzeit) würde die Versicherung den vollen Betrag auszahlen, obwohl der einzelne Versicherte vielleicht nur einen Bruchteil davon eingezahlt hat. Diese Sicherheit, ein Leben lang, kostet eben auch etwas. So wie man für seine Hausratversicherung bezahlt, obwohl nie etwas passiert und man nie "auf seine Kosten kommt".
Bei der Sterbegeldversicherung ist aber eins sicher: Die wird zahlen und sie wird zahlen müssen, denn der Versicherungsfall tritt auf jeden Fall ein.

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