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Kleinleins Klartext

Es gibt Saures…

Es gibt Saures…

 26.10.2016  Kleinleins Klartext  0 Kommentare  Axel Kleinlein

Nächsten Montag ist es wieder soweit. Die Nacht der Untoten. Halloween! Eine Nacht des Grauens. Für die Versicherungswelt erst recht. Denn was sich dieses Jahr zusammen gebraut hat, das lässt erschaudern. Ein Erlebnisaufsatz, wie ein Versicherungsmanager diese Nacht erlebt (nur für LeserInnen mit starken Nerven)…

 

Halloween-Abend, es wird dunkel. Herr K. schließt bedächtig die Türe ab. Die Angst sitzt tief in den Knochen. Es dauerte lange, bis er verkraftet hatte, was seit dem letzten Halloween geschehen ist. Die schrecklichen Bilder der enttäuschten Versicherten, der Kündiger….

Zweimal dreht er den Schlüssel um. „Sicher ist sicher“, murmelt er vor sich hin. „Sicher ist sicher…“. Und dann möchte er sich am liebsten auf die Zunge beißen. Ist er doch wieder in die selbst gestellte Sicherheitsfalle getappt! Ja, vor ein paar Jahren hatte auch er sich dafür stark gemacht, mit doppeltem und dreifachem Sicherheitsnetz in der Lebensversicherung noch höhere Sicherheitsreserven einzufordern.

Das waren noch Zeiten! Da waren alle überzeugt davon, dass diese zusätzlichen Reservetöpfe, die Zinszusatzreserven, ganz einfach aus den Überschüssen gefüllt werden könnten! Manche Kollegen von Herrn K. lachten sich ins Fäustchen und amüsierten sich, dass mit diesem Trick die Unternehmen mal wieder auf Kosten der Kunden noch besser dastehen würden. Die Kunden müssen ja auf Überschüsse verzichten, damit dadurch diese Reserven gefüllt werden.

Heute sieht das anders aus. Herr K. erschaudert bei dem Gedanken an nächstes Jahr. Da muss sein Unternehmen auch wieder neue Sicherheitspuffer bilden. Nur, dass es jetzt fast keine Überschüsse mehr erwirtschaftet, mit denen das ausfinanziert werden kann. „Sicher ist sicher“ ist jetzt tödliche Gefahr. Die zusätzlichen Reserven können der Todesdolch sein, der das Unternehmen niederstreckt. Das, was Herrn K. früher beruhigte, das macht ihm jetzt Angst. Panische Angst.

Mittlerweile ist es dunkel. Er schaut zwischen den Lamellen des Rollos nach draußen. Nebelschwaden verdecken die Sicht. Aber er kann erste Schatten erahnen. Und es bleibt nicht nur bei wenigen Gestalten, die im Zwielicht umherziehen.

Erst sind es nur kleine Gruppen frustrierter Versicherter, voller Enttäuschung, verbittert wegen zu niedriger Leistungszahlungen. „Die kann man ja mit ein paar Zuckerle ruhig stellen“, denkt sich Herr K. Die kennt er schon aus den Vorjahren. Die bereiten ihm schon lange keine Albträume mehr.

Mit ruckenden Bewegungen und leerem Blick sind nun auch andere Gestalten unterwegs. Kündiger! Die sind schon aggressiver. Herr K. kann ja verstehen, was dazu führte, dass diese ehemaligen Versicherungskunden nun nur noch von Wut getrieben umherirren. Hohe Kosten, schmerzliche Abzüge in den ersten Jahren und bei den schon älteren Kündigungen auch Stornoabzüge und Amortisationsabschläge… Alles bittere Erfahrungen, die diese Gestalten zeichnen…

POCH, POCH, POCH. Harte Faustschläge hämmern dumpf an die Haustür. Herr K. späht vorsichtig durch den Türspion. Er sieht eine wilde Truppe aus frustrierten Versicherten, aus Kündigern und dazu noch heruntergekommene Gestalten einer neuen Gruppe! Er hat schon von dieser neuen beängstigenden Fraktion gehört. Das sind die „Verlassenen Versicherten“, deren Unternehmen in den Run Off gegangen sind. Versicherte, die kaum noch Hoffnung haben. Versicherte, die zwar noch zahlen, aber allen Glauben an die Assekuranz verloren haben.

Und während die ersten beiden Gruppen noch „Süßes oder Saures“ fordern, hört Herr K. das durchdringende Röcheln der Verlassenen Versicherten. „Jetzt gibt’s Saures…“, dringen die Worte durch die Türe ins Ohr und in den verängstigten Geist des Herrn K… „Jetzt gibt’s Saures…“

 

 


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