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Krieg! Allianz ruft den Verteidigungsfall aus! Die Bäte-Doktrin

Krieg! Allianz ruft den Verteidigungsfall aus! Die Bäte-Doktrin

 05.04.2017  Kleinleins Klartext  0 Kommentare  Axel Kleinlein

Es war kein Aprilscherz, was Spiegel Online am 1. April berichtete. Für die Allianz (die Versicherung, nicht die NATO) ist Krieg das Mittel der Wahl.

Das Szenario in einer Managementübung: Einer der eigenen Allianz-Männer ist über dem Gebiet der Generali oder Zurich abgestürzt. Über „feindlichem Gebiet“. Es galt in dieser Übung mit Mitteln der Militärs zu reagieren. Etwa 200 hochbezahlte Versicherungsmanager der Allianz „spielten Krieg“. So die Berichte aus Spiegel und Süddeutscher.

Es ist ein groteskes Bild, das sich mir angesichts dieser Artikel in meinem Kopf entfaltete:

Zwei Hundertschaften hochbezahlter Manager sollten lernen, wie sie mit militärischer Präzision einen Konkurrenten mit militärischen Mitteln angreifen. Zwei Hundertschaften von Versicherungsmanagern wurden darauf eingenordet, die Kollegen der anderen Unternehmen als Feind zu betrachten. Die grundlegende Botschaft: Konkurrenz ist Feind. Das Mittel der Wahl ist Gewalt. Ziel ist es, das eigene Territorium zu verteidigen. Soll auch gegnerisches Gebiet erobert werden? Moderne Militärs reden ja dann gerne von der „Befreiung feindlicher Gebiete“.

Die Vorstellung ist abscheulich, dass die Allianz von oben nach unten auf diese Linie gebracht wird. Aber es war kein Aprilscherz. Die Allianz bestätigte diese Art Militärübung für die Manager. Hoffen wir, dass das nicht so ernst gemeint war. Ansonsten wird mein Bild der „neuen“ Allianz immer grotesker...

Denn die Allianz ist keine Nation. Sie ist auch keine Miliz oder Terrorgruppe. Die Allianz sollte also kein Interesse an militärischen Territorialgewinnen haben. Die Allianz ist eigentlich ein Wirtschaftsunternehmen, das sich um das Wohl ihrer Kunden kümmern sollte. Im Fadenkreuz der Allianzführung sollte der Kundennutzen stehen und nicht der Feind der Konkurrenz.

Aber für die Allianz hat sich anscheinend vieles geändert: Die Kunden, die Versicherten, sind nun Zivilisten in besetzten Gebieten. An erster Stelle gilt es für die Allianz das Territorium zu sichern. Ist das geschehen, dann hat sie Zugriff auf diese Zivilisten. Aber im Krieg gilt auch: Wenn gekämpft wird, gibt es Kollateralschäden. Zivilisten müssen bluten und leiden. In der neuen Denke der Allianz spielt das anscheinend keine Rolle. Hauptsache, die feindliche Konkurrenz wird in die Schranken gewiesen.

Die Bäte-Doktrin?

Womöglich will der oberste Befehlshaber der Allianz, Herr Bäte, mit einer solchen Militärübung eine neue Doktrin setzen: Das Wohl der Allianz soll mit harten und robusten Mitteln erreicht werden. Die Versicherten sind Zivilisten. Kollateralschäden sind nicht schön, aber in der Logik des Krieges unumgänglich. Die neue Bäte-Doktrin. Ist es das, was er will? Es ist schon schlimm genug, dass man auf Grund der jüngsten Berichterstattung einen solchen Eindruck gewinnen kann. Ich hoffe, dass der neue Fokus auf das Militärische nicht wirklich ernst gemeint ist.

Denn auch ich habe früher für die Allianz gearbeitet. Damals versuchte das Unternehmen vernünftige Versicherungslösungen zu finden und dabei Geld zu verdienen. Heute scheinen vernünftige Versicherungslösungen für die Allianz nebensächlicher zu sein. Es geht um Macht, um Vorherrschaft, um Territorien. Angesichts der Bäte-Doktrin schäme ich mich heute dafür, jemals für die Allianz gearbeitet zu haben.

PS: Wir hatten zum ersten April stattdessen zu einer anderen Form der Managerausbildung geladen. Da geht es statt um Gewalt und Militär um Empathie und Einfühlen in die Verbraucher…

Artikel zum Thema:

"Bei der Allianz mussten Führungskräfte Krieg spielen" (Spiegel online)

"Piloten retten" (Süddeutsche Zeitung)

 


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