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Kleinleins Klartext

Leider gibt’s bei der Allianz weder Wasser noch Brot

Leider gibt’s bei der Allianz weder Wasser noch Brot

 22.06.2022  Kleinleins Klartext  0 Kommentare  Axel Kleinlein

Ich war im Urlaub. Genauer gesagt, ich war mit einer Freundin und einem Kleinpudel auf der Via Regia, einem Stück des Jakobswegs, als Pilger unterwegs. Auch wenn das Ziel dieses Pilgerwegs weit entfernt in Spanien liegt, gibt es auch in Deutschland Zubringerwege. 

Und einer davon verläuft von der Europabrücke an der deutsch-polnischen Grenze in Görlitz bzw. Zgorzelec nach Vacha, einem kleinen Städtchen am Rande Thüringens. Auch hier gibt es eine Brücke. Die lag seinerzeit genau auf dem Eisernen Vorhang und hatte die DDR mit der BRD verbunden. Also eine auch symbolisch ansprechende Route.
Die gelbe Muschel auf blauem Grund ist der Wegweiser, der die Pilgernden quer durch Oberschlesien, die Niederlausitz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen leitet. Auch wenn man dabei mit Bautzen, Leipzig, Erfurt und Eisenach eher größere Städte durchquert, so verläuft der Großteil der Strecke durch kleine Dörfer und kleine Städtchen oder einfach nur quer durch die Landschaft und den Wald.

Anders als die letzten 800 Kilometer in Spanien – die ja Hape Kerkeling so schön in seinem „Ich bin dann mal weg“ beschrieben hat – ist die Infrastruktur in Deutschland ziemlich dürftig. Immerhin gibt es ein paar Herbergen (die meist leider keine Hunde zulassen). Aber während es auf der Meseta, in der Rioja oder in Galizien alle paar Kilometer auch Wasserstellen oder Einkaufsmöglichkeiten gibt, sieht das in Deutschland ziemlich düster aus.

Kaffee, Brötchen, Wasser? Fehlanzeige!

Wie oft sind wir durch hübsche Dörfer und Städtchen gelaufen und haben darauf gehofft, einen Kaffee, ein Brötchen oder wenigstens Wasser zu finden! Aber: Fehlanzeige! In Deutschland ist die Infrastruktur für Pilger katastrophal. Verpflegung gibt es selten, auch das Allernotwendigste muss morgens in den Rucksack eingepackt und über den Tag getragen werden. Da kommen dann mit Wasser, der Mittagsbrotzeit und Hundefutter gerne 4 bis 5 Kilo zusammen. Das liegt schwer auf dem Rücken.

Aber in einem Punkt ist die deutsche Infrastruktur der Spaniens weit überlegen: In jedem Dorf und in jedem noch so kleinen Städtchen kann man Versicherungen kaufen! Es gibt keinen Supermarkt, keinen Bäcker, keine Tankstelle, aber eine Versicherungsvertretung, die gibt es immer! Und wenn man mal das Glück hat, einen Bäcker zu finden (wie etwa im sachsen-anhaltinischen Freyburg) dann ist die eingezwängt zwischen gleich zwei Versicherungsagenturen (siehe Foto).

Eine Riester-Rente ist einfacher zu bekommen als ein Stück Brot

Ich frage mich, was das wohl über unser Land aussagt, wenn man für Wasser und Brot viele Kilometer in die nächste größere Stadt gehen muss, eine Riester-Rente aber überall angedient bekommt. Es ist wenig schmeichelhaft, wenn Vorsorge so weit geht, dass das Hier und Jetzt nicht mehr funktioniert. Es zeigt auch, dass man mit dem Verkauf von Versicherungen anscheinend so viel Geld verdient, dass sich der normale Handel nicht mehr lohnt. Es ist ziemlich bitter, dass man mit dem Verticken von Riester-Renten so gut verdient, dass sich der Alltagshandel im Vergleich nicht rentiert. Ich finde es schlimm, dass es einfacher ist, an eine Riester-Rente zu kommen, als an ein Brot!

PS: Vielleicht wäre ich etwas beschwichtigt worden, wenn Pilgernde oder Wandernde darauf setzen könnten, bei Versicherungsagenturen zumindest Wasser oder eine Stulle zu bekommen. Denn von einem Riester-Vertrag wird man weder satt noch wird der Durst gestillt. Wäre doch mal eine Marketingidee für Allianz & Co, die Verkaufsinfrastruktur steht ja schon …

 

 Straßenbild in Freyburg, Sachsen-Anhalt, Foto: Axel Kleinlein


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