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Kleinleins Klartext

Marktführer erklärt:

Marktführer erklärt:

 18.07.2018  Kleinleins Klartext  0 Kommentare  Axel Kleinlein

Andere Unternehmen halten Versprechen nicht ein, Abwicklungen sind bei den anderen zu befürchten und es herrscht künstliche Aufregung

Ich habe ein bemerkenswertes Interview gelesen, das ein Versicherungsmanager letzthin dem Handelsblatt gegeben hat. Unter dem scheinheiligen Titel „Redet die Lebensversicherung nicht tot!“ plaudert er über Digitalisierung, Merger of Equals und eben auch über die Krise der Lebensversicherung.

Wer auf die Frage, ob die Branche denn schwächeln würde, ein klares Bekenntnis zur deutschen Lebensversicherung erwartet, der wird aber enttäuscht.

„In der Krise gibt es immer Leute, die Risiken gut und über lange Zeiträume managen“, erklärt er und meint damit augenscheinlich den eigenen Laden. „Aber es gibt welche, die das nicht tun“, führt er weiter aus und setzt nach mit: „Die können ihre Versprechen eben nicht einhalten“. Das ist der erste Hinweis auf die Versager in der Branche.

Natürlich hat er auf die Eingangsfrage, ob die Branche schwächeln würde, nicht klar geantwortet. Aber was er sagt, das lässt nur einen Schluss zu: Ja! Die Branche schwächelt, zumindest einige der Anbieter. Die können nämlich ihre Versprechen nicht mehr einhalten. Der Marktführer gibt also zu, dass die Branche schwächelt, zumindest in Teilen.

Die Kund*innen sind selbst schuld?

Und: „Deshalb müssen sich die Kunden besonders gut überlegen, zu wem man denn sein Geld bringt“, führt der Herr Manager weiter aus. Anders ausgedrückt: Die Kundinnen und Kunden sind selbst daran schuld, wenn die Verträge nicht inklusive der Versprechen eingehalten werden. Hätten sie sich doch einen besseren Versicherer ausgesucht!

Da zwingt sich für den Journalisten die Frage auf, wie ernst denn die Marktprobleme wären, angesichts dessen, dass die Aufsichtsbehörde befürchtet, dass mittel- bis langfristig jeder dritte Versicherer Probleme bekommen würde. Das sieht der Versicherungsmanager nicht so dramatisch und möchte nicht, dass man deswegen die Lebensversicherung totrede. „Auch im Bankensektor mussten einige Anbieter abgewickelt werden“.

„Auch im Bankensektor“? „Auch“? Wo mussten denn noch Anbieter abgewickelt werden? Ich kann diese Aussage nur so verstehen, dass der Herr Versicherungsmanager schon fest davon ausgeht, dass eben ein paar Lebensversicherungen demnächst abzuwickeln seien. Da geht er also schon von einer etwas tieferen Krise aus! Zumindest würde ich das so bezeichnen, wenn deutsche Lebensversicherer bald die Grätsche machen müssten.

Aber Abwicklungen wären ja nach seiner Meinung gar nicht so schlimm. Und um das zu begründen, erklärt er dann, dass ja nach den Bankenabwicklungen auch niemand sagen würde, er eröffne deshalb jetzt kein Konto oder Sparbuch mehr.

Die Argumentation wird krude

Und hier wird die Argumentation richtig krude. Denn was hat denn das Sparbuch mit der Lebensversicherung zu tun? Sind denn die Produkte der Lebensversicherer so einfach kündbar und umschichtbar wie ein Sparbuch? Habe ich denn bei einer Lebensversicherung die Gewissheit wie bei einem Sparbuch, dass ich zumindest keinen Verlust mache? Bin ich bei einer Lebensversicherung so flexibel wie bei einem Sparbuch? Die Antworten sollten auch dem Herrn klar sein: Nichts, Nein, Nein, Nein.

Der Vergleich mit den Banken hinkt nicht nur, der Vergleich ist irreführend. Wenn Lebensversicherer demnächst abgewickelt werden, dann hat das deutlich gravierendere Folgen! Mal eben ‘ne neue Lebensversicherung abzuschließen und von vorne anfangen, das geht halt nicht.

Immer wieder versucht der Herr Versicherungsmanager im Interview darauf hinzuweisen, wie unterschiedlich die Versicherer sind. „Es gibt gut geführte Häuser und es gibt nun mal nicht so gut geführte Häuser“. Unterm Strich heißt das, man müsse sich als Kundin oder Kunde eben nur den richtigen Versicherer suchen und dann ist alles gut.

Aber die Generali zeigt uns ja, dass das nicht stimmt. Denn die Generali galt ja eigentlich über hundert Jahre als solider Versicherer und will jetzt vier Millionen Verträge verkaufen. Einfach so und ohne die Kundinnen und Kunden zu fragen.

Denn auch, wenn man sich mal für einen Versicherer entschieden hat, dann hat das keinen Einfluss darauf, ob man dort dann auch auf Dauer bleibt. Auch wenn eine Person gezielt entschieden hat, „ich will bei dem großen italienischen Versicherer meine Altersvorsorge haben“, dann hat sie jetzt keine Chance mehr und muss sich damit abfinden, dass sie jetzt eben in einem anderen Versicherungshaus abgewickelt wird.

Wer kann das verstehen?

Ob er verstünde, dass die Kundinnen und Kunden es als Wortbruch verstehen, wenn ihre Policen, so wie bei der Generali, einfach verkauft würden? Da antwortet der Versicherungsmanager ganz philosophisch: „Nein, das verstehe ich nicht. Also, ich verstehe das schon, dass sich Verbraucher verschaukelt fühlen.“

Also, für ihn fühlt es sich nicht als Wortbruch an, wenn die Police verkauft wird. Gleichzeitig fühlt es sich aber auch nach seinem Empfinden so an, als ob man verschaukelt würde? So, als würde sich jemand sicher aufgehoben mit dem Vertrag bei der Abwicklungsplattform fühlen, gleichzeitig fühlt er sich aber verar….t? Wer kann das verstehen? Ist das nicht ein Widerspruch? Vermutlich ist das nur für einen Menschen logisch, der die wirren Versicherungsbedingungen versteht, die zu den Produkten gehören, die der Herr verkauft. Ich verstehe sie jedenfalls nicht (weder seine Aussage im Interview noch die Versicherungsbedingungen) .

Fazit: Es gibt eine Krise, die aber nur die Kundinnen und Kunden der anderen Versicherer betreffen, bei denen dann demnächst Abwicklungen zu erwarten sind. Und wenn dann eine Lebensversicherung abgewickelt wird, dann ist das genauso schlimm, als müsste man einfach ein neues Sparbuch eröffnen. Dass man angesichts solcher Aussagen womöglich jemanden verunsichern könnte? Quatsch, denn insgesamt meint der Herr Versicherungsmanager ja sowieso anscheinend so etwas wie Hysterie zu verspüren:

„Wir sind ja momentan in Zeiten teilweise künstlicher Aufregung unterwegs.“

Schön, dass er diese Hysterie selbst befeuert.

 


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