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Kleinleins Klartext

Tschüss Lebensversicherung! Tschüss Versicherungsvertreter!

Tschüss Lebensversicherung! Tschüss Versicherungsvertreter!

 29.08.2018  Kleinleins Klartext  0 Kommentare  Axel Kleinlein

„That’s the end of life insurance as we know it“, frei nach R.E.M. könnte man jetzt so vor sich hin trällern. Weil wir Verbraucherschützer so erfolgreich in unsere Arbeit gegen diese oft sinnfreien Verträge sind? Leider nicht. So viel Einfluss und Macht haben wir nicht.

Nein, das Ende der Lebensversicherung wird gerade von der Branche selbst eingeläutet. Bei den einen (Generali) soll rund um die Versicherung ein viel weiter gefasstes Konzept verkauft werden (Vitality). Das wird aber noch dauern, bis so ein Konzept richtig branchenweit greifen kann (wenn überhaupt). Nichtsdestotrotz sind solche umfassenden Ambitionen, dass ein Versicherer den Kunden ein Leben lang „begleiten“ möchte, ziemlich en vogue.

Ein "dauerhafter Lebensbegleiter" 

Auch die Allianz hat sich jüngst als ein Unternehmen geoutet, dass genau eine solche „dauerhafte Lebensbegleitung“ anstrebt. Da fragt man sich natürlich, ob das denn eigentlich der Geschäftszweck einer Versicherung ist: Fitness-Nudges geben? Einkaufsgemeinschaften organisieren? Gehört das zum Kerngeschäft einer Versicherung? Sicher nicht.

Richtig schlimm wird es, wenn der Versicherer dann sein Kerngeschäft aufgibt. Und das macht die Allianz ja jetzt auch.

Wieder einmal hat die Allianz ja ein neues Produkt aufgelegt: Fourmore! Ich will da jetzt gar nicht so viel zu schreiben (über hohe Kosten, schlimme Sterbetafel etc.), denn das habe ich ja schon auf der Page des Manager-Magazins. Das Entscheidende ist aber: Fourmore hat eigentlich nichts mehr mit Versicherung zu tun.

Versicherung zeichnet sich ja dadurch aus, dass ein Risiko abgesichert werden soll. Bei der Lebensversicherung ist es üblicherweise das Risiko, dass eine bestimmte Person verstirbt. Dafür gibt es dann die Risikolebensversicherung als passendes Angebot. Wenn der Tod einer bestimmten Person ein Risiko ist, weil diese Person zum Beispiel der Hauptverdiener ist, oder weil diese Person durch die Haushalts- und Erziehungsarbeit dem Hauptverdiener den Rücken freihält, dann kann das richtig sinnvoll sein, auf das Leben dieser Person eine Risikolebensversicherung abzuschließen.

Die Abkehr vom Versicherungsgedanken

Schon die Kapitallebensversicherung war eine deutliche Abkehr vom Versicherungsgedanken. Da wurde dann „Sparen“ mit „Versichern“ vermengt. Sinn macht das natürlich nicht. Denn das Ansparen hin auf eine feste Summe zu einem festen Zeitpunkt ist erst einmal eine Art Versicherung auf das Erleben eines bestimmten Zeitpunktes. Folgerichtig redet man dann auch von der Erlebensfallleistung. Und die Kapitallebensversicherung vermischt nun „Todesfallschutz“ mit „Erlebensfallschutz“. Klingt bescheuert, ist es auch.

Aber immerhin war ja bei der Kapitallebensversicherung noch Versicherungsschutz mit drin. Es gab immerhin noch eine echt werthaltige Garantie, was entweder im Todesfall oder aber im Erlebensfall bei Vertragsende ausgezahlt werden soll. Bei Fourmore gehen jetzt sogar diese Garantielemente verloren! Bis auf einen homöopathischen Rentenfaktor wird gerade mal der Kapitalerhalt garantiert. Da ist eigentlich nichts mehr übrig von dem was einstmals Versicherung war.

„Fourmore“ ist unterm Strich einfach eine Art Sparvertrag. Ein ziemlich teurer Sparvertrag, gekoppelt mit einer kleinen Garantie, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt wenigsten so viel Geld gibt, wie reingezahlt wurde. Mit Versicherung hat das so gut wie nichts mehr zu tun. Tschüss Lebensversicherung!

Kein Platz mehr für Vermittler!

Richtig spannend ist, dass bei dem Allianz-Sparvertrag kaum noch Platz für Vermittler ist. Denn weil die Verbraucher sich nicht auf regelmäßige Zahlungen festlegen müssen, kann auch keine Provision im herkömmlichen Sinn ausgezahlt werden. Das Geschäftsmodell des klassischen Versicherungsvertreters ist damit tot. Tschüss Versicherungsvertreter!

Fourmore ist eine Zäsur in der Versicherungswelt. Fourmore ist der Abschied vom Versicherungsgedanken, der Abschied von den althergebrachten Strukturen, der Abschied von der Versicherungswelt wie wir sie kannten. Tschüss Lebensversicherung! Tschüss Versicherungsvertreter! Ein klein wenig werde ich Euch vermissen!

PS: Manche werden jetzt sagen, dass die Versicherer ja mit dem Langlebigkeitsrisiko auch noch ein anderes Risiko absichern. Ja, das könnten sie. Macht die Allianz aber nicht. Denn der Rentenfaktor, den sie ansetzt, ist so unglaublich niedrig, dass die Garantie nur ab Alter 130 wirklich greift! Ob Fourmore damit im Sinne des Steuerrechts noch eine Lebensversicherung ist, kann daher bezweifelt werden. Das ist aber eine andere Geschichte…

 

Link zur Produktrezension:

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/fourmore-altersvorsorge-der-allianz-mit-tuecken-und-versteckten-kosten-a-1225095.html

 

Links zu den Plänen der Allianz zukünftig „Lebensbegleiter“ sein zu wollen:

https://www.versicherungsbote.de/id/4870490/Allianz-Wiswesser-Digitalisierung/ 

 


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