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Kleinleins Klartext

„Was macht ihr da eigentlich die ganze Zeit im Ministerium?“

„Was macht ihr da eigentlich die ganze Zeit im Ministerium?“

 27.07.2016  Kleinleins Klartext  0 Kommentare  Axel Kleinlein

Letzte Woche, Freitag, später Nachmittag in einem Straßenkaffee in Berlin Kreuzberg. Nach einem anstrengenden Tag mit intensiven Diskussionen im Ministerium habe ich Feierabend. Ein Freund fragt mich, was ich denn heute in Berlin so zu tun hatte. Ich erkläre, dass ich zu Gesprächen im Ministerium war, sechs Stunden. Ungläubig guckt er mich an. Und dann kommt von ihm die Frage: „Was macht Ihr da eigentlich die ganze Zeit im Ministerium?“

Gute Frage. Und gar nicht leicht zu beantworten.

Je nachdem in welchem Ministerium man eingeladen ist und welches Thema bearbeitet werden soll, fallen die Gespräche unterschiedlich aus. Jedes Ministerium hat so seine Eigenheiten. Im Finanzministerium habe ich letzthin zum Beispiel einen ungewöhnlichen Hinweis gesehen. Einen Aufkleber, der als Warnung auf einigen der Besprechungstische aufgeklebt ist. So in etwa sah er aus:

 

 

Anscheinend gibt es Beamte bzw. Besucher, die gerne auf der Tischplatte herumkrabbeln, sobald ein Beamer auf dem Tisch steht. Gottseidank warnt der Aufkleber vor derartigen Krabbelaktionen. Solche Aufkleber habe ich in anderen Ministerien noch nicht gesehen. Dafür herrschen dort andere Gepflogenheiten. Anders als bei den Finanzlern bekommt man zum Beispiel im Justiz- und Verbraucherschutzministerium stets ein Glas zum Wasser dazu.

Meist stehen aber trotz allem anderen die Inhalte bei solchen Meetings im Mittelpunkt. Dabei ist zu unterscheiden zwischen solchen Veranstaltungen bei denen eine feste Agenda zugrunde liegt, die auf jeden Fall abgearbeitet werden muss, bis hin zu Treffen, die eher den Charakter haben von „schön, dass wir drüber gesprochen haben“. Meist kann man an Hand der Einladung und der Tagesordnung schon abschätzen, was für eine Art Besprechung einen erwartet.

Ganz entscheidend ist natürlich, wer teilnimmt. Je hochrangiger eine der mitdiskutierenden Personen ist, umso eher wird die avisierte Tagesordnung aufgebrochen. Und das ist auch gut so. Denn die Damen und Herren Regierungsmitglieder sollen sich ja ein Bild von dem jeweiligen Thema machen. Und falls das Abarbeiten der einzelnen Punkte dabei stört, dann sollte man die auch über den Haufen werfen.

Es nützt nichts, sich in einem Diskussionspunkt zu verkämpfen, wenn sich die Herren und Damen Minister oder Staatssekretäre längst eine unumstößliche Meinung gebildet haben. Da macht es dann eher Sinn, bei den noch strittigen Themen meinungsbildend zu argumentieren. Aber eines sollte dann trotz allem immer passieren: Die eigenen Kritikpunkte müssen immer - zumindest kurz und knackig - irgendwie im Verlauf der Debatte fallen. Denn dann kann keiner später sagen, er hätte nichts von diesen Problemen gewusst.

Auch letzten Freitag war mir in vielen Punkten klar, dass sich die Verbrauchermeinung nicht durchsetzen wird. Dennoch sah ich mich in der Pflicht, immer wieder unsere grundsätzlichen Kritikpunkte anzubringen. Für viele Teilnehmer war das nicht besonders spannend, musste aber sein. Das geht anderen Lobbyvertretern aber nicht anders. Und bis jeder eben das gesagt hat, was er sagen muss, das dauert seine Zeit. Wir haben es aber dann doch geschafft auch noch richtig konstruktiv zusammen zu arbeiten und auch Kompromisse zu finden.

Unterm Strich: Was haben wir die ganze Zeit gemacht? Ein Drittel der Zeit ging für Grundsatzstatements drauf, ein weiteres Drittel der Zeit geht dann noch für echte inhaltliche Diskussion drauf (bei einem 30 Seiten-Papier ist das sogar recht schnell). Den Rest der Zeit braucht man, um die Tagesordnung abzustimmen, um immer wieder abzugleichen, welchen Passus man gerade diskutiert (inklusive Kaffeepausen).

Es war eine lange, aber erfolgreiche Sitzung. Und glücklicherweise ist niemand auf den Tischen herumgekrabbelt, obwohl ein Beamer in Benutzung war. Ob das an dem warnenden Aufkleber lag?


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