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Versicherungen verstehen

Ich bin drauf reingefallen. Was für eine Schande

Ich bin drauf reingefallen. Was für eine Schande

 23.10.2020  Versicherungen verstehen  0 Kommentare  Anja Hardekopf

Vor Jahren fingen meine Zähne an, mir das Leben schwer zu machen und ich habe mich auf die Suche nach einer Zahnzusatzversicherung gemacht. Damals waren die Produkte noch einfach gestrickt: Wer jung war und gute Zähne hatte, wurde angenommen, Personen, die den 25. Geburtstag schon hinter sich hatten und bei denen der Zahnarzt schon einmal die Stirn gerunzelt hat, zahlten mehr und problembehaftete Zähne wurden ausgeschlossen - wenn ein Vertrag denn überhaupt möglich war. Ich gab schnell auf und schloss keinen Vertrag ab.

Dann an einem Wochenende im Dezember

Hätte ich doch meine BdV-Kolleg*innen um mich gehabt, dann wäre das sicherlich nicht passiert. Dumme Entscheidungen treffe ich meistens für mich allein zu Hause. So auch im Dezember 2017. Nach einem Zahnarzttermin war ich frustriert, weil der Doktor wieder einmal eine neue Baustelle gefunden hatte. Diesmal sollte es eine Brücke werden, die bekanntermaßen ordentlich ins Geld geht. Nachdem ich einen Werbespot der ERGO gesehen habe, war es geschehen – ich schloss einen Vertrag ab, der angeblich auch greifen sollte, obwohl ich quasi schon auf dem Behandlungsstuhl saß. Dass der Versicherungsschutz mich 34 Euro im Monat kosten sollte und ich eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten einging, blendete ich damals einfach aus.

Manche Überlegungen dauern etwas

Ich berappte also brav jeden Monat meinen Beitrag und ja, bei zwei Behandlungen – einer Brücke und einer Krone – unterstützte mich die ERGO. Leider musste ich aber auch feststellen, dass dieser Vertrag tatsächlich nur bei einer hohen Regelversorgung leistet. Entscheidet man sich für hochwertigeren Zahnersatz, kommt außer der Reihe auch noch in den Genuss einer Wurzelkanalbehandlung (wie ich) oder muss viermal im Jahr zur professionellen Zahnreinigung (wie ich), dann trägt man diese Zusatzkosten selbst.

Richtig wachgerüttelt hat mich dann allerdings die Tatsache, dass die ERGO Zahnzusatzversicherung als Versicherungskäse des Jahres nominiert wurde. Ups, wie kann mir denn so was passieren? Also, hingesetzt und die Unterlagen mal richtig durchgelesen – so wie es sich eigentlich vor Abschluss des Vertrages gehört hätte.

Es gibt bessere und günstigere Verträge

Wie bereits gesagt, leistet die von mir abgeschlossene ERGO Zusatzversicherung zwar noch, wenn die Behandlung bereits begonnen hat, aber am Ende rechnet sie sich nur in den allerseltensten Fällen. Bei einem Aufwand durch Prämie in Höhe von 813,60 Euro in zwei Jahren muss schon eine ganze Landschaft an Brücken und Kronen entstehen, um das wieder auszugleichen.

In den letzten Jahren hat sich im Bereich der Zahnzusatzversicherungen viel getan. Mittlerweile findet man durchaus leistungsstarke Verträge, die in Kombination mit den Zuschüssen der gesetzlichen Krankenkassen 80 bis 90 % der Rechnungskosten übernehmen. Trotzdem kann es passieren, dass einzelne fehlende Zähne ausgeschlossen werden oder der Versicherer auf eine schlechte Zahngesundheit mit Risikozuschlägen reagiert. Außerdem werden einige Tarife am Markt ohne Alterungssrückstellungen kalkuliert. Diese wirken zunächst günstig, werden aber mit zunehmendem Alter deutlich teurer.

Auch in Anbetracht dieser Marktsituation ist der Abschluss einer privaten Zahnzusatzversicherung allerdings häufig wenig lohnenswert. Lesen Sie dazu gerne einmal folgenden Artikel eines Kollegen von mir.

Und ganz entscheidend ist: Solange Sie existenzielle Risiken wie private Haftpflichtschäden, Arbeitskraftverlust, Ihre Hinterbliebenen sowie Pflegebedürftigkeit nicht in bedarfsgerechter Höhe abgesichert haben, sollten Sie sich zunächst um Versicherungsschutz in diesen Bereichen kümmern und die Frage nach einer Zahnzusatzversicherung zurückstellen.

Der BdV erklärt außerdem in seinem Infoblatt, worauf grundsätzlich geachtet werden muss.

Die Kündigung ist jetzt raus

Mein Vertrag ist jetzt gekündigt. Ich mache mich nun auf die Suche nach einem, der besser zu mir passt – währenddessen lege ich den Monatsbeitrag erst mal auf ein extra Konto für meine Zähne. Vielleicht verbleibe ich auch ganz bei dieser – von einer Zusatzversicherung losgelösten – Form der Dentalvorsorge.

Zukünftig werde ich mich in allen Fragen zu meinen privaten Versicherungsverträgen natürlich vertrauensvoll an meine Kolleginnen und Kollegen beim BdV wenden. Denn diese Schmach möchte ich nicht noch einmal erleben…


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