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Telematik für besseres Fahren und Prämie Sparen. Lohnt sich das?

Telematik für besseres Fahren und Prämie Sparen. Lohnt sich das?

 23.11.2020  Versicherungen verstehen  0 Kommentare  Claudia Frenz

Kaum geht das Jahr in die letzte Kurve, widmen sich viele Autobesitzer*innen ihrer Kfz-Versicherung, um ggf. ihre Verträge zu optimieren. Dabei werden die Kolleg*innen der Beratung regelmäßig gefragt, ob es sich lohnt, in einen Telematik-Tarif zu wechseln.

Was ist das überhaupt?

Ein Telematik-Tarif belohnt umsichtiges Fahren. Dafür wird im Auto der/des Versicherten eine „Box“ installiert, die das Fahrverhalten aufzeichnet und bewertet. Wer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält, nicht rasant die Kurven nimmt oder stark bremst, also insgesamt vorausschauend fährt, wird durch eine günstige Prämie belohnt.
Die Auswertung erfolgt nach einem Punktesystem und kann per App auf dem Handy eingesehen werden. Manche Versicherer bieten zusätzlich noch einen Notrufservice, der das Auto bei einer Panne oder einem Unfall per GPS-Signal ortet und einen Rettungsdienst ruft. Klingt erst mal gut, oder?

Insbesondere für junge Fahrer*innen kann das Angebot interessant sein, da sie ohnehin App-affin sind, für Selbstoptimierung aufgeschlossen und statistisch gesehen zu jener Gruppe an Autofahrer*innen gehören, die ein erhöhtes Risiko für Unfälle haben. So sind nach einer Untersuchung des ADAC 18 bis 24-jährige Autofahrer*innen mit einem 30-Prozent-Anteil häufiger an Alleinunfällen beteiligt als ältere Fahrer*innen (19 %).
Das ruft insbesondere auch Eltern auf den Plan, die ihre Kinder und Führerscheinneulinge natürlich sicher unterwegs wissen wollen.

Und ältere Fahrer*innen?

Doch nicht nur besonders junge Fahrer*innen haben ein erhöhtes Unfallrisiko, auch ältere verursachen vergleichsweise häufig PKW-Unfälle. Nach einer Statistik des GDV steigt mit dem Alter ab 60+ auch die Schadenhäufigkeit. Die Tarife werden entsprechend teurer. Auch für die Generation 60+ könnte ein Telematik-Tarif die Prämie reduzieren helfen.

Lohnt sich ein Telematik-Tarif?

Dafür mag sprechen, dass man möglicherweise umsichtiger fährt, wenn man dadurch Geld sparen kann. Für die „Generation App“ mag die Auswertung des Fahrverhaltens auf dem Handy durchaus cool sein und verkehrspädagogische Impulse auf die Fahrweise geben. Bei einigen Apps können die Nutzer*innen ihre Scores auf Facebook mit anderen teilen. Diese Art Challenge mag sich durchaus positiv auf die Fahrweise auswirken.
Für die Versicherer sind solche Plug & Drive-Apps eine Möglichkeit, jüngere oder technikaffine Zielgruppen anzusprechen.
Doch so spielerisch sie auch sein mögen - die von den Apps erhobenen Daten werden ausgewertet und von einem Technologiepartner für mehrere Jahre gespeichert: „Angaben, die einen Rückschluss auf Ihre Identität ermöglichen könnten (Zuordnungskriterien und die konkret gefahrenen Strecken) werden nach Ablauf von fünf Jahren gelöscht“, heißt es beispielsweise in der Datenschutzerklärung der HUK zur App „Mein Auto“ und Telematik Plus. Dessen sollten sich Nutzer*innen bewusst sein.

Technische Fehler bei der Erhebung der Fahrdaten sind auch nicht auszuschließen, siehe ZDF-WISO. Und: Um den höchsten Bonus zu erhalten, müssen Fahrer*innen maximale, also optimale Fahrleistungen aufweisen. Wie sich der Gesamtwert jedoch errechnet, bleibe „geheim“, so das Urteil von netzpolitik.org.
Die Bonus Drive App der Allianz setzt sich die Bewertung der Fahrweise wie folgt zusammen: Das Einhalten oder Überschreiten von Tempolimits geht mit 10 % in die Fahrwertung ein. Das Bremsverhalten kommt mit 30 Prozent in der Bewertung. Beschleunigung und Kurvenverhalten machen je 20 Prozent der Bewertung aus. Straßenart und Zeitpunkt der Fahrt kommen mit 20 Prozent in die Wertung. Dabei bergen „Nachtfahrten oder eine Fahrt durch die Stadt während der Rushhour größere Gefahren also eine Sonntagsausfahrt vormittags auf der Autobahn“, heißt es in der Erläuterung.

Bonus – Malus?

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten… ? Zwar sollen konventionell Kfz-Versicherte nicht benachteiligt werden, dennoch stellt sich die Frage, inwieweit so ein Belohnungsmodell nicht doch all diejenigen diskriminiert, die ihren Fahrstil nicht überwachen lassen. Die Telematik-Versicherten erhalten nur einen Bonus aber keinen Malus - in Form eines Prämienaufschlags -, wenn sie schlecht fahren.
Für alle Kfz-Versicherten gilt: Ein von ihnen verursachter Schadenfall wirkt sich, sofern kein Rabattschutz vereinbart ist, auf ihre Schadenfreiheitsklasse und damit ggf. auf die Prämie aus.

Auszüge aus den Leistungsversprechen von Telematik-Anbietern:
Mit Telematik-Tarifen haben in den vergangenen Jahren diverse Kfz-Versicherer experimentiert. Aber nicht alle bieten sie auch noch an.

Beispiele einiger Telematik-Anbieter

Allianz

Bonus Drive

Bronze (10 %), Silber (20 %) Goldmedaille (30 %) Ersparnis. Durch Tages-/Monatsmedaillen gewonnene Punkte ergeben dann aufaddiert den ersparten Extra-Bonus.

Dialog

Dialog Mobility“

Bis zu 20 % Prämiennachlass möglich.

Ergo

Ergo „Safe Drive“

10 Prozent-Bonus auf den Kfz-Beitrag bei Abschluss, insgesamt bis zu 30 % Erstattung für sicheres Fahren nach einem Jahr (Sonderbedingungen).

Generali

Generali Telematik

Zwischen 5 und 30 % Nachlass auf den Beitrag. Scorewerte und entsprechende Staffelung jeweils gelistet.

HUK

HUK Telematik Plus

10 % Start-Bonus für Kfz-Haftpflicht und Kaskoversicherung, der in der Folge bis zu 30 % Ersparnis führen kann, wenn man umsichtig fährt.

Signal Iduna

sijox Paket „Meine Mobilität“ mit AppDrive

15 % Rabatt bei Abschluss, in der Folge bis zu 25 % Rabatt möglich. Fahrer: 17-30 Jahre. Bei gutem Fahren können Versicherte Bonuspunkte gegen Amazon-Gutschein einlösen. Unklar: Rabatt oder Bonus?

VHV

VHV TELEMATIK-GARANT

bis zu 30 % auf den Tarif Klassik Garant. Keinen Beitragszuschlag für schlechtes Fahrverhalten

Württembergische

„Telematik-App“

In Verbindung mit 2 Privatkunden-Verträgen steigen Fahranfänger unter 30 Jahre mit bis zu 60 % in die Kfz-Versicherung ein.

Quelle: Websites der Anbieter, Stand 15.10.2020

Beim Vergleich von Angeboten sollten Versicherte beachten, dass die Telematik-Tarife auch weitere Zusatzservices umfassen können wie Unfallversicherung, Verkehrsrechtschutzversicherung, Mitgliedschaften in Automobilclubs, Diebstahlschutz, SOS-Rufe, Unwetterwarnungen etc. Inwieweit diese bedarfsgerecht sind, hängt vom konkret-individuellen Einzelfall ab.

Fazit: Telematik-Tarife mögen sich positiv und regulierend auf die Fahrdisziplin auswirken und dem einen oder der anderen Fahrerin die eigene Fahrleistung spielerisch vor Augen führen.

Zu beachten ist zudem, dass im ersten Versicherungsjahr kaum eine Reduzierung von maximal 30 %, sondern in der Regel 10 % in der Kfz-Haftpflicht und Kasko möglich sind. Für diejenigen, die jährlich sogenanntes „Versicherer-Hopping“ betreiben, wird ein Telematik-Tarif daher eher uninteressant sein.

Auch Versicherungsmakler bestätigen, so ein Artikel des Fachmagazins procontra, derzeit eine eher schwache Nachfrage ihrer Kund*innen nach Telematiktarifen.

Wer beim Kfz-Tarif sparen möchte, kann dies auch durch Überprüfen und ggf. Optimieren der vereinbarten Leistungen tun oder durch jährliche statt monatliche Zahlung der Prämie. Welche Leistungen sinnvoll sind und welche verzichtbar, erläutern wir im BdV-Infoblatt „Kraftfahrzeug“.


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