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Versicherungen verstehen

Vergleichen ist gut - Beratung ist besser

Vergleichen ist gut - Beratung ist besser

 28.07.2017  Versicherungen verstehen  0 Kommentare  Maja Kreßin

Wir werden in der Beratung immer wieder nach unserer Einschätzung zu Vergleichsportalen gefragt. Das ist auch nicht erstaunlich, denn wenn man im Internet die Wörter „Versicherung vergleichen“ eingibt, werden Vergleichsportale ganz oben gelistet. Und der Verbraucher oder die Verbraucherin klickt dann eben rein, wenn er oder sie auf der Suche nach einer Versicherung ist.


Doch bei aller vermeintlichen Übersichtlichkeit und Nutzerfreundlichkeit:
Vergleichsportale im Internet sind mit Vorsicht zu genießen.

Die Geschäftsmodelle der Portale sind intransparent und bieten oft keinen umfassenden Marktüberblick. Zudem können in diesen Portalen nur standardisierte Produkte angeboten werden. Ist der Versicherungsbedarf jedoch individuell, was meist so ist, kommt der Abschluss eines Vertrages über ein Portal regelmäßig nicht infrage. Komplexe Versicherungen wie die Berufsunfähigkeitsversicherung, private Kranken- oder Pflegezusatzversicherung sind auf die persönliche Lebenssituation zugeschnitten. Sie lassen sich nicht mit wenigen Klicks erstellen, sondern erfordern eine Beratung.
Daher rät der BdV grundsätzlich von dem Abschluss eines Vertrages über Vergleichsportale ab.

Wieso sind die Suchergebnisse oftmals unvollständig? Was Verbraucher oft nicht wissen:
Vergleichsportale sind meistens als Versicherungsmakler eingetragen. Sie erhalten von Versicherungsgesellschaften meist eine Provision, wenn Verbraucher und Verbraucherinnen einen Vertrag über das Portal abschließen. Versicherer, die keine Provision zahlen, tauchen in dem Vergleich indes nicht auf. Einen umfassenden Vergleich aller Angebote in den jeweiligen Versicherungssparten, die am Markt abgeschlossen werden können, erhalten Nutzer und Nutzerinnen nicht. Daher laufen sie Gefahr, nicht den für sie passenden und/oder auch günstigsten Versicherungsschutz zu erhalten.

Auch eine umfassende Beratung zu ihrem persönlichen Versicherungsbedarf, bzw. zu dem Umfang des jeweiligen Versicherungsschutzes erhalten Versicherte über Vergleichsportale nicht. Eine unabhängige und bedarfsorientierte Beratung ist jedoch beim Abschluss von Versicherungsverträgen unerlässlich, damit am Ende kein wichtiger Versicherungsschutz fehlt oder nur lückenhaft besteht und Prämien nicht „umsonst“ gezahlt werden.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat eine Studie zu Vergleichsportalen für Versicherungen veröffentlicht und stellt darin fest: „Wer für eine neue Versicherung online recherchiert, ist weitestgehend auf sich allein gestellt. Je komplexer die Risikosituation eines Verbrauchers, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die auf einem Vergleichsportal empfohlene Versicherung dem tatsächlichen Bedarf des Verbrauchers entspricht.“

Auch der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich jüngst mit Vergleichsportalen beschäftigt. In dem entschiedenen Fall, ging es um ein Vergleichsportal, mit dessen Hilfe Verbraucher und Verbraucherinnen nach günstigen Bestattungsunternehmen suchen können. Das Portal warb mit der Aussage: „Kostenlos, kompetent und transparent“. Es fehlte allerdings der Hinweis, dass nur Unternehmen verglichen werden, die auch eine Provision an das Portal zahlen.

Der BGH hat somit entschieden (Urteil vom 27.04.2017, I ZR 55/16), dass Portale ihre Kunden und Kundinnen darüber aufklären müssen, dass nur Unternehmen aufgeführt werden, die eine Provision zahlen. Dieses Urteil gilt auch für andere Vergleichsportale, ganz egal welche Produkte oder Dienstleistungen angeboten werden.

Mein Rat: Vergleichen ist gut. Beratung ist besser.


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