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Gastbeiträge

Ein Stück Käse weniger

Ein Stück Käse weniger

 06.11.2018  Gastbeiträge  0 Kommentare  Dr. Peter Grieble

Endlich: vor wenigen Tagen hat das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg in einer Pressemeldung erklärt, dass die Tage der Schülerzusatzversicherung gezählt seien. Der diesem Produkt zugrundeliegende Gruppenversicherungsvertrag wird nach dieser Meldung des Ministeriums nicht mehr verlängert.

Verbraucher – insbesondere Schüler und Eltern – müssen also nur noch ein knappes Schuljahr mit dieser Schülerzusatzversicherung auskommen. Das ist eine gute und verbraucherorientierte Entscheidung.
Damit endet ein über Jahrzehnte dauerndes Prozedere: Immer nach den Sommerferien gleich zu Beginn des Schuljahres wurde vom Klassenlehrer ein Antragsformular ausgeteilt, das die Schüler von den Eltern unterschreiben lassen sollten und natürlich den Versicherungsbeitrag mitzubringen hatten für eine Schülerzusatzversicherung mit einer extremen Ausschnittsdeckung. Formal hatte das Land Baden-Württemberg mit den Versicherern WGV und BGV einen Gruppenversicherungsvertrag abgeschlossen auf Basis einer Verwaltungsvorschrift „Freiwillige Schülerzusatzversicherung“. Seit vielen Jahren hatte die Verbraucherzentrale auf die großen damit verbundenen Probleme hingewiesen: Vertrieb von privaten Versicherungen in öffentlichen Schulen, Repressalien gegen sich verweigernde Schüler oder Eltern, Lehrer als Versicherungsverkäufer ohne Fachkenntnisse, die durch die Schülerzusatzversicherung erhöhte Gefahr, dass sich Familien gut versichert wähnen, ohne es zu sein.

Zu Recht ein Versicherungskäse

Die Schülerzusatzversicherung wurde zu Recht vom BdV als Versicherungskäse ausgezeichnet. Wobei die Frage offen bleiben kann, ob es sich dabei um einen Käse mit vielen Löchern handelt oder um viele große Löcher mit ein paar Käsekrümelchen herum.
Die Abschaffung der Schülerzusatzversicherung bedeutet für die Absicherungssituation von Schülern keine Verschlechterung. Der von den Verbrauchern jeweils gewünschte Versicherungsschutz kann durch eigene private Versicherungsverträge problemlos und weit umfassender abgesichert werden, da bedarf es keines Vertriebs einer Versicherung in der öffentlichen Schule. Im Gegenteil: Unqualifizierter Vertrieb und sehr löchriger Versicherungsschutz führen eher dazu, dass sich Familien gut versichert fühlen, es objektiv aber nicht sind.

Keine wertvolle Zeit mit dem Verkauf von Versicherungen verplempern

Auch für Schulen wird die neue Situation vorteilhaft: in einer Zeit großen Lehrermangels mit vielen ausfallenden Schulstunden wird nicht wie bisher wertvolle Zeit mit dem Verkauf von Versicherungen verplempert, sondern kann pädagogisch genutzt werden. Wenn es für die Schule wichtig ist, dass Schüler bei bestimmten Aktivitäten versichert sind – zum Beispiel beim Schulpraktikum – dann gibt es dafür bessere Lösungen, die nicht Schüler und Eltern in vielfacher Hinsicht belasten. Dabei wird zu beachten sein, dass wenn von staatlicher Seite über die Schulpflicht und verpflichtend zu absolvierende Schulpraktika Schülern Risiken zugemutet werden, kaum den Eltern zusätzlich noch vorgeschrieben werden kann, sich dagegen versichern zu müssen. Dies würde eine „Lex Eltern“ bedeuten - was so solange nicht hinnehmbar ist, wie es keinen verpflichtenden Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung für alle Bürger gibt.


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