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Kleinleins Klartext

Diverses und Sternchen im Bund der Versicherten

Diverses und Sternchen im Bund der Versicherten

 13.03.2019  Kleinleins Klartext  14 Kommentare  Axel Kleinlein

Derzeit kocht eine Diskussion richtig hoch, wenn man die Feuilletons und Kommentare der diversesten Medien liest. Auch eine Parteivorsitzende hat mit einem müden Kalauer diese Diskussion um diverse weitere Aspekte bereichert. Und wir im Bund der Versicherten hatten diese Diskussion auch schon in diversesten Gremien, unter den Mitarbeiter*innen, mit dem Aufsichtsrat und auch mit unseren Mitgliedern. Sie können schon erahnen, was ich meine: Ja, es geht um die Frage einer genderneutralen Sprache.

Wir haben uns im Bund der Versicherten schon vor einiger Zeit dafür entschieden, mit dem „*“ eine genderneutrale Sprache zu leben. Ganz ohne Reibungen ging das auch bei uns nicht vonstatten. Anders als es manchmal unterstellt wird, hatte ich persönlich damit nichts zu tun. Diese Entscheidung fiel ohne mein Zutun. Aber ich persönlich finde das richtig und gut mit dem „*“ zu schreiben. Ist doch das Sternchen die Variante, mit der nicht nur in Sachen Mann/Frau gendergerecht geschrieben wird, sondern über diesen Weg werden eben auch die unterschiedlichsten Lebensformen respektiert.

Es gab auch Murren

Intern gab es durchaus auch Murren gegen das „*“. Und das waren nicht nur Kollegen, sondern auch Kolleginnen, die sich an dem Sternchen störten und manchmal auch noch stören. Und ähnlich wie sich das in den Feuilletons auch widerspiegelt, wurde diese Diskussion auch beim BdV durchaus emotional geführt - letztlich dann auch unter den Mitgliedern (nicht „Mitglieder*innen“, da das „Mitglied“ ja Neutrum ist). In der letzten Mitgliederversammlung gab es dann auch tatsächlich einen Tagesordnungspunkt dazu. Und da wurde dann diskutiert und schließlich abgestimmt. Das Ergebnis: Der BdV soll, will und wird mit dem „*“ eine genderneutrale Sprache pflegen. Ich bin stolz darauf, dass unsere Mitglieder diese Entscheidung gefällt haben.

Genderneutrale Sprache sensibilisiert

Auch wenn ich ein grauhaariger Mann bin, so bekomme ich doch mit, wie wichtig es ist, mittels Sprache daran mitzuarbeiten, dass die Vielfältigkeit der Lebensformen respektiert wird. Das kann zum Beispiel in kleinen Nebengesprächen mit Kolleg*innen aus der Versicherungswelt am Rande einer Konferenz passieren, wenn dort chauvinistische Zoten gerissen werden. Einmal musste ich aber auch einen Bundesminister beim Häppchenessen davon abhalten, einen geschmacklosen Schwulenwitz zu erzählen. Schön ist das nicht. Und eine genderneutrale Sprache sensibilisiert dafür, unterschiedliche Lebenswirklichkeiten gleichberechtigt nebeneinander stehen zu lassen.

Auch im BdV arbeiten wir noch weiterhin täglich daran, mit dem „*“ richtig umzugehen. Was allen Kolleg*innen hilft, ist dabei zum Beispiel ein „Wörterbuch“, in dem wir für diverse gängige Begriffe aus der Versicherungswelt geschlechtsneutrale Synonyme zusammengesammelt haben. Und immer öfter geht einem dann die geschlechterneutrale Sprache als selbstverständlich über die Lippen und die Tasten.

Wir sind nicht alleine

Wir sind aber nicht alleine in der Versicherungswelt mit einem solchen Ansatz. Die Swiss Re, kein unbedeutender Rückversicherer, geht und handelt in eine ähnliche Richtung. Während das Unternehmen selbst recht stolz auf die eigene Zielsetzung ist, wird das von Branchenbeobachtern in der „VW-Redaktion“ zuweilen kritisch gesehen. Da bin ich dann doch mal klar auf Seiten dieses Versicherungsunternehmens und möchte die Swiss Re darin bestärken, diesen Weg weiterzugehen.

PS: Ach ja, und das „divers“ ist zwar ungewohnt, aber dann doch mittlerweile zwingend vorgeschrieben in Stellenausschreibungen. Einer befreundeten Verbraucherzentrale flatterte unlängst eine Abmahnung wegen des fehlenden „d“ ins Haus…

 


Kommentare
Kommentar von Hamburg-Ost (Bronx)  am  15.08.2019 14:27
Ich schlage die Einsetzung eines Genderei-Beauftragten (m/w/d) im BdV vor, bei dem man als Mitglied*in wahlweise auch eine lesefreundlich entgenderte Fassung der BdV-Info abonnieren kann – in der PDF-Fassung sollte das ja keine relevanten Extrakosten verursachen.

Pragmatischer wäre allerdings die im Printbereich seit Jahrzehnten bewährte und leicht adaptierbare Variante, der jeweiligen Publikation den Hinweis voranzustellen, dass alle (derzeit im Zeitgeist stehenden) Identitäten vom BdV in gleicher Weise geschätzt werden (gerne auch mit expliziter Bevorzugung von d und w innerhalb des m/w/d-Spektrums, wenn es denn politisch BESONDERS korrekt sein soll), man sich aus Gründen der Lesbarkeit in den Texten jedoch auf die männliche Variante beschränkt. Das wäre SO pragmatisch, dass es fast schon wieder langweilig ist.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich noch mein leichtes Unbehagen über die optische Dominanz der beiden Vorstandsvorsitzenden in der letzten BdV-Info zu Protokoll geben. Das alles sieht in der bemüht modernistischen Aufmachung fast wie ein PR-Blättchen irgendwelcher Finanzdienstleister aus. Wohl genau das Gegenteil von dem, was der BdV verkörpert (oder verkörpern sollte).

Natürlich ist es nachvollziehbar, jetzt auf allen Ebenen "alte Zöpfe" abschneiden zu wollen, nicht zuletzt nach dem Umzug mit Symbolcharakter, und weil der "Große Vorsitzende" nur noch aus dem Jenseits über die Geschicke seines Vereins wacht und man auch kaum noch etwas von den zermürbenden vereinsinternen Querelen hört. Das muss aber nicht notwendigerweise bedeuten, in einen grenzwertigen Modernismuswahn zu verfallen, bei dem auch mal Optik vor Inhalt zu gehen dürfen scheint.

Zumal es für einen überzeugenden Personenkult auch echte "Typen" braucht – ganz unabhängig von der sicher hervorragenden beruflichen Qualifikation. H.D.M. wird "von oben" dazu wohl nur milde lächeln – zu schade, dass er nicht mehr als Coach für den charismatischen Öffentlichkeitsauftritt dienen kann. Und der Conterpart des damaligen medialen "Duo Infernale" – Frau Castelló – gendert nun im Aufsichtsrat auch zahnlos vor sich hin. Wenn es nicht so traurig wäre, würde man lachen wollen.

Trotzdem weiterhin viel Erfolg – schon wegen meines Eigeninteresses als Gruppenversichert*e(r)...
Kommentar von Thomas Leichner  am  27.07.2019 17:40
Lassen sie doch die Gender Sterne weg, sie schauen einfach abscheulich aus. Sie machen dem Leser und offensichtlich auch dem, der sie als Autor benutzten muss, das Leben schwer. Benutzten sie doch einfach die grammatikalisch männliche Form, dass damit Männlein, Weiblein und das dritte Geschlecht gemeint sind, ist doch allen klar. Der BdV ist schließlich keine "Frauenrechtsorganisation" oder die Parteistiftung der Grünen. Es ist wirklich traurig, dass ein Verein, der dem Verbraucherschutz verpflichtet ist, seine Stellung zu politischer Indoktrination missbraucht.
Kommentar von Detlef Jahn  am  19.04.2019 11:26
Hallo Herr Kleinlein (und alle anderen Neusprech-Fans),
sprechen Sie persönlich in der wirklichen Welt so, wie Sie jetzt schreiben, als in Gendersprech?
Sollten Sie unbedingt mal versuchen, aber dann bitte auch konsequent! Sie werden sehen: Man kann so nicht vernünftig sprechen - und genau deshalb sollte man auch nicht so schreiben.
Nach meiner bisherigen Wahrnehmung wurde uns erzählt, dass die geschriebene Sprache der gesprochenen folgt und nicht umgekehrt. Was in Wahrheit nie so gewesen ist, denn die geschriebene Sprache war jahrtausende lang Elitenwissen und -können und wurde deshalb zur Manipulation der Ohnmächtigen ge- und missbraucht.
Zunehmend deutlicher zeigt sich, dass die Mächtigen sich jetzt ganz offiziell gar nicht mehr dazu "bedeckt halten". Uns wird wieder einmal gesagt, wie wir zu reden/zu schreiben haben...! Wenn wir zurückblicken, gab es das schon (mehrmals) - und noch nie ist Gutes daraus erwachsen.
Man frage sich, weshalb das (heute wieder) so ist.
Aber solange wir uns um solche Dinge (vor allem hier im Netz) kümmern, sind wir wenigstens von den wichtigen Dingen abgelenkt, wie Bargeldabschaffung und Beseitigung von Privatsphäre und Meinungsfreiheit und damit letztlich jeder persönlichen Freiheit.

»Die Sprache der Heuchler zu übernehmen, bedeutet nur, dass man ein Teil der Heuchelei geworden ist.«
Lord Bartok (Morgan Freeman) im Film »Last Knights – Die Ritter des 7. Ordens«

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Jahn

PS:
Selbstverständlich: demokratische Entscheidungen sind zu respektieren. Die Frage ist, wie und weshalb und ob überhaupt man diese Entscheidungen herbeiführt.
Am Ende bleibt es dabei: Der Verein und vor allem die Vereinsführung sollte unser Mitgliedergeld für den Vereinszweck nutzen und nicht für vereinsfremde Dinge. Und die bisher verwendete Sprache hat doch sachdienlich funktioniert - oder nicht? Und soweit mir bekannt, gibt es keinerlei rechtsverbindliche Vorschriften, die Neusprech-Gender-Kauderwelsch gebieten. Wenn doch, klären Sie mich auf, Herr Kleinlein. Allerdings wäre dann keine demokratische Entscheidung nötig gewesen.
Am Ende bleibt es eins: Geldverschwendung am Vereinszweck vorbei. Macht ja nichts - ist ja nicht Ihr Geld, nicht wahr. Anderer Leute Geld gibt sich immer so angenehm leicht aus.

Nochmals Grüße
Detlef Jahn
Kommentar von Axel Kleinlein  am  18.04.2019 08:25
Lieber Herr Hauser, lieber Herr Kunz, liebes Ehepaar Pommerin, liebe weiteren Kommentatoren,

ich freue mich über die rege Diskussion, die uns rund ums „*“, andere Genderformen oder auch den Verzicht auf jegliches Gendern nun schon seit ein paar Jahren begleitet. Was ist richtig? Ich weiß es nicht. Egal welche Variante ich wähle, dass am Schluss alle zufrieden sind, wird nicht gelingen. Wer darüber entscheidet? Hier beim BdV sind das unsere Mitglieder. Und die haben sich in einer Abstimmung für das „*“ ausgesprochen.

Vor einer demokratischen Entscheidung im Verein habe ich Respekt. Auch dieses Jahr werden wir wieder zur Mitgliederversammlung einladen. Wie letztes Jahr können dann auch Anträge zum „*“ gestellt werden und werden dann auch behandelt. Ich finde es richtig, dann dort zu diskutieren und zu entscheiden. Ich finde es aber falsch, denjenigen, die mit oder ohne „*“ schreiben, die eine oder andere politische Position in herabwürdigenden Worten zu unterstellen. Derartige Emotionalität möchte ich mir für die Versicherer aufheben, die Schindluder mit den Versichertengelder treiben.

Beste Grüße, Axel Kleinlein
Kommentar von Hubert Nowack  am  17.04.2019 09:43
http://plus.faz.net/faz-plus/feuilleton/2018-05-02/bf32aa2b8d4dab29b7a47997d6c4d383?GEPC=s9
MITTWOCH, 02.05.2018
F.A.Z. - FEUILLETON
Eine kleine Sex-Grammatik
Über das grammatische Geschlecht kann man nicht nach Gusto verfügen, Sprache kann nichts „meinen“. Deshalb: Vorsicht beim Gendern! Von Helmut Glück
Sexus ist eine natürliche, Genus ist eine grammatische Kategorie. Sexus begründet den Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Lebewesen. Wenn Judith Butler behauptet: „Anatomie ist ein soziales Konstrukt“, dann hat sie die Evidenz gegen sich. Die Menschheit gliedert sich überall in zwei Geschlechter mit einer Grauzone dazwischen, mit der sich das Bundesverfassungsgericht kürzlich befasst hat, ohne die sprachlichen Folgen zu bedenken. Anredeformeln wie „Meine Damen und Herren!“ oder „Liebe Kolleginnen und Kollegen!“ werden durch dieses „dritte Geschlecht“, das inzwischen gut fünfzig Varianten aufweist, unter Druck geraten.
Die Sprachen der Welt ordnen, soweit sie das Genus überhaupt haben, ihre Substantive zwei (zum Beispiel Französisch und Schwedisch) oder drei Genera (Deutsch und Russisch) zu. Auch die Kategorie Genus hat Ränder: Es gibt Substantive mit Doppelgenus (Barock, Joghurt). Ins Deutsche wurde Genus mit „grammatisches Geschlecht“ übersetzt. Das ist problematisch, weil es eine Verwechslung fördert. Denn Genus hat mit Sexus, dem natürlichen Geschlecht, nichts zu tun.
Nur bei Personenbezeichnungen und Bezeichnungen für einige Tiere kommen sich Genus und Sexus ins Gehege, sonst nirgends. Im Kernbereich geschieht das lexikalisch, indem die Wörter selbst sexusmarkiert sind, etwa bei Verwandtschaftsbezeichnungen (Onkel – Nichte, Tante – Neffe) und bei einigen Säugetieren (Kuh – Bulle mit Rind als Oberbegriff). Außerhalb dieses Kernbereichs kann Sexus durch Wortbildungsmittel markiert werden, vor allem mittels der Endung „-in“ (Bäckerin, Lehrerin). Mädchen ist nur deshalb ein Neutrum, weil die Endung „-chen“ immer Neutra produziert. Bei Metaphern funktioniert der Mechanismus nicht ohne weiteres. Wer eine Polizistin beschimpfen will, muss zu einer Ableitung greifen: „Bullin“ (nicht: Kuh).
Personenbezeichnungen sind generisch maskulin, also nicht sexusmarkiert. Wer die Auffassung vertritt, in generischen Maskulina seien „die Frauen nicht mitgemeint“, verkennt eine elementare Funktion von Sprache: Sprache bezeichnet, Sprache meint nie irgendetwas. „Meinen“ können nur Menschen. Strittig ist vor allen die Frage, ob maskuline Endungen sexusmarkiert sind. Dabei geht es vor allem um Bildungen mit der Endung „-er“, mit der man Personenbezeichnungen von Verben ableitet: Lehrer, Bäcker. Sie kann aber nicht nur Personen bezeichnen, sondern auch Instrumente (Entsafter, Mähdrescher), Kleidungsstücke (Büstenhalter, Hosenträger), Fahrzeuge (Laster, Frachter) und allerhand anderes bezeichnen, zum Beispiel Paarhufer, Walzer, Patzer – all diese Wörter kann man nicht gendern!
Maskuline Personenbezeichnungen sind jedoch nicht sexusmarkiert, denn sie bezeichnen beide natürlichen Geschlechter. Bäcker schließt die Bäckerin ein, Lehrer die Lehrerin. Man sieht das an Bildungen wie Bäckerei, Bäckerinnung, Bäckerlehrling. Wenn man weibliche Wesen ausdrücklich bezeichnen will, verwendet man die Endung „-in“. Erst sie markiert Sexus. Sie erlaubt, die Bürgerin vom Bürger, die Meisterin vom Meister zu unterschieden, wenn man das will. Wenn man aber eine Bürgermeisterin von einem Bürgermeister unterschieden will, sollte man das Erstglied unverändert lassen, denn Bürgermeister beiderlei Geschlechts sind (hoffentlich) für alle Bürger beiderlei Geschlechts da. Bürgermeister, Genossenschaft, Schülersprecher sind sexusneutral, sie bezeichnen Frauen und Männer gleichermaßen. Nur Bildungen wie Genossinnenschaft, Bürgerinnensprechstunde, Schülerinnensprecherin würden ausschließlich weibliche Wesen „meinen“, und die Bildung Bürger- und Bürgerinnenmeister und -meisterin wäre absurd.
Klare sprachliche Grenzen gibt es also bei Zusammensetzungen, die auf Personenbezeichnungen beruhen. Meisterschaftsteilnehmersprecher müsste man zu Meister- und Meisterinnenschaftsteilnehmer und -teilnehmerinnensprecher und -sprecherin gendern. Wie würde diese Bildung im Singular lauten?
Schimpfwörter sind genusfest und meistens generisch, weshalb man mit ihnen Frauen und Männer gleichermaßen beleidigen kann: Pfeife, Flasche, Dumpfbacke sind feminin, Schwachkopf, Schluckspecht, Dreckspatz maskulin, Rindvieh, Kameradenschwein sind Neutra. Sexusbezug kann man dadurch herstellen, dass man Tierbezeichnungen verwendet, die offen sexusmarkiert sind wie dumme Kuh, alte Ziege versus geiler Bock, blöder Hammel. Das funktioniert aber nicht durchgängig: Dumme Sau geht für beide Sexus, Boxenluder hingegen sind stets weiblich, obwohl das Wort ein Neutrum ist.
Der Sprachgebrauch sperrt sich ebenfalls gegen das Gendern. Wir gehen zum Friseur, zum Zahnarzt, zum Italiener, und damit sind auch alle Friseurinnen, Zahnärztinnen und Italienerinnen bezeichnet. Es gibt Fälle, in denen Substantive einer bestimmten Bedeutungsgruppe dasselbe Genus haben. Bäume sind von alters her meistens feminin (Eiche, Buche, Birke), Mineralien und Kristalle meistens maskulin (Feldspat, Gneis, Achat), Metalle meistens Neutra (Gold, Eisen, Silber). Automarken sind meistens maskulin, wie der BMW, der Mercedes (obwohl das ein Frauenname ist), der Corsa (obwohl der die feminine Endung „-a“ hat). Motorradmarken sind dagegen feminin: die BMW, die Kawasaki, die Moto Guzzi. Käsesorten sind meistens maskulin, auch wenn sie ein feminines „-a“ haben: der Gouda, der Gorgonzola, der Cambozola. Warum? Weil Käse ein Maskulinum ist. Mit Sexus hat das alles nichts zu tun.
Ganz ungeeignet zum Gendern sind Zusammensetzungen, deren Erstglied eine Personenbezeichnung ist: Henkersmahlzeit, Zigeunerbaron, Räuberpistole (Erstglied maskulin), Geiselnahme, Waisenrente, Hexenhaus (Erstglied feminin). Das gilt auch für Erstglieder, die Tiere bezeichnen, wie Löwenmäulchen, Affenliebe, Katerfrühstück (Erstglied maskulin), Katzenmusik, (etwas ist zum) Mäusemelken (Erstglied feminin). Wenn Personenbezeichnungen zu Sachbezeichnungen werden, macht sie das gegen das Gendern immun: Pariser (Kondom), Berliner (Schmalzgebäck), Spätburgunder. Das gilt auch für Produktnamen wie Jägermeister, Königspilsener. Werk-Titel sind bisher vom Gendern unbehelligt geblieben: „Die Räuber“, „Die Weber“.
Es geht aber nicht nur um die Wörter und die Möglichkeiten, aus alten Wörtern neue zu bilden, sondern auch um den Satz und seine Teile. Substantive kann man deklinieren, also in den Plural setzen (Frau – Frauen) oder in den Genitiv (Kind – Kindes). Man kann sie aber nicht nach Genus deklinieren – bisher hat noch niemand behauptet, dass Frau das Femininum von Mann oder Mann das Maskulinum von Frau sei. Aber andere Wortarten dekliniert man nach Genus: die Artikel, die Adjektive, die Pronomina und die Partizipien. Das liegt daran, dass sie in vielen Fällen mit dem Substantiv, auf das sie sich beziehen, übereinstimmen müssen: der/dieser schöne Mann, ein schöner Mann, mein geliebter Mann. Das Substantiv zwingt seiner syntaktischen Umgebung sein Genus auf.
Dieser grammatische Sachverhalt hat dazu geführt, dass Adjektive und Partizipien zum Hauptinstrument des Genderns gemacht wurden. Denn man kann sie substantivieren und nach Genus deklinieren: der/die Alte, der/die Vertriebene, der/die Fliehende. Bei den Adjektiven geht das problemlos, bei den Partizipien aber nicht, denn sie haben eine aktionale Bedeutung. Sie bezeichnen entweder den Abschluss einer Handlung oder den aktuellen Ablauf einer Handlung. Vertriebene sind Leute, die vertrieben worden sind, Fliehende sind Leute, die gerade fliehen. Ähnlich ist es beim Gerundiv, dem „Partizip der Notwendigkeit“: Es bezeichnet das Ziel einer Handlung, Sexus ist nachrangig: Der/die Auszubildende ist jemand, der ausgebildet werden soll. Die Fragepronomina, die maskulin kongruieren, hat Peter Eisenberg an dieser Stelle beschrieben (F.A.Z. vom 28. Februar). Die unbestimmten Fürwörter funktionieren nach demselben Muster: Wer so etwas sagt, hat seinen Verstand verloren; irgendjemand hat seinen Lippenstift liegen lassen.
All dies sind grammatische Sachverhalte, keine Ansichtssachen. Es gibt keine ernstzunehmende Richtung der grammatischen Forschung, die diese strukturellen Gegebenheiten in Wortbildung und nominaler Syntax in Frage stellen würde. Die Forderung, alle personenbezeichnenden Maskulina zu gendern, verkennt die Tatsache, dass Maskulina in Bezug auf Sexus grundsätzlich unmarkiert sind. Genus ist ein grammatischer Mechanismus, über den niemand nach Gusto verfügen kann. Die Behauptung eines amtierenden Professors für Linguistik, das Gendern sei eine Frage der Moral und des Anstands, ist eine sozialpädagogische Anmaßung und hat keine grammatische Grundlage. Solange das Gendern im privaten Bereich betrieben wird, mag das als Kundgabe fortschrittlicher Gesinnung durchgehen; niemand muss sie teilen. Wer nicht gendert, hat jedenfalls Grammatik und Rechtschreibung auf seiner Seite. Wenn aber das Gendern zum Programm erhoben und von Politikern, Professoren oder Pfarrern als Tugendnachweis eingefordert wird, liegen ein autoritärer Eingriff in die Sprache und ein Übergriff auf ein Bürgerrecht vor, das darin besteht, dass das Deutsche in der Öffentlichkeit ohne Gängelei und erhobene Zeigefinger verwendet wird.
Das grassierende Gendern sexualisiert die Sprache, es missbraucht die Sprache. Denn die Sprache ist weder Männchen noch Weibchen. Zum „kleinen Unterschied“ trägt sie nur so viel bei, dass man über ihn sprechen und schreiben kann. Zum Schutz von Menschenrechten taugt das Gendern nicht. Es gibt Felder, auf denen es wirklich nötig ist, für die Rechte der Frauen einzutreten.
Helmut Glück ist emeritierter Professor für
Deutsche Sprachwissenschaft und Deutsch als Fremdsprache an der Universität Bamberg.

Von meinem iPad gesendet

Mein Breitrag dazu: Wer die Macht hat, bestimmt wie wir uns ausdrücken. Die gendergerechte Ausdrucksweise hat einen Vorläufer, der mir immer bewusst wird, wenn ich an die Deutsche Grußformel denke, die die Nazis eingeführt hatten. Meine Mutter sagte immer nur: "Guten Tag". Wir wohnten mit Nazis in ein und demselben Haus.
Es wird Zeit, dass ich Ihre Firma verlasse.
Hubert Nowack
Kommentar von Klaus Martens  am  16.04.2019 14:58
1. BGH-Entscheidung
Frauen haben KEIN Recht auf eine weibliche Ansprache in Formularen. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) am 13.03.2018 in Karlsruhe entschieden (VI ZR 143/17). Will der BdV "der Einfachheit halber" zwischen Formular und Brief auch noch unterscheiden?
2. Umfragewerte
Die Mehrheit der Deutschen lehnt die Nutzung geschlechtsneutraler Sprache ab. Auch die Debatten darüber halten viele für überflüssig und übertrieben, wie es aus einer vom Verein Deutsche Sprache beim Meinungsforschungsinstitut Insa-Consulere in Auftrag gegebenen Umfrage hervorgeht, über die die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Anfang April berichtet. Auf die Frage „Wie wichtig oder unwichtig ist Ihrer Meinung nach gendergerechte Sprache für die Gleichstellung der Frau in Deutschland?“ antworteten nur 27,1 Prozent der befragten Männer bzw. 27,9 Prozent der befragten Frauen mit „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“, jeweils über 60 Prozent dagegen machten ihre Kreuz bei „sehr unwichtig“ oder „eher unwichtig“ (der Rest entfällt auf „weiß nicht“ oder „keine Angabe“).
Diese Ergebnisse sind über Bundesländer, Geschlechter und Parteien ähnlich. Selbst bei den Anhängern der Grünen bewerteten 60,1 Prozent der Befragten die Gendersprache mit „sehr unwichtig“ oder „eher unwichtig“. Das Ergebnis belege die tägliche Erfahrung, sagte die Schriftstellerin Monika Maron.
„Nicht einmal Orwell ist auf die Idee gekommen, ein Staat könnte Hand an die Grammatik legen.“ Sie hatte zusammen mit dem Ökonom Walter Krämer, dem Journalisten Wolf Schneider und dem früheren Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus einen Aufruf gegen die geschlechterneutrale Sprache initiiert, der inzwischen von 61.000 Deutschen unterschrieben wurde.
Wer die Umfrage nicht akzeptiert soll mal über folgendes nachdenken:
- Soweit bekannt, ist die Formulierung „die Bürger des Landes “ bereits geschlechtsneutral , weil damit Männer und Frauen gemeint sind. „Bürger und Bürgerinnen“ ist daher sinnfrei. Beispiel: „Bürgerinnen- und Bürgersteig“.
- Und wie ist es mit dem neuen 3. Geschlecht? Damit werden diese neuen Geschlechter diskriminiert!?
- Müssten da nicht auch alle ausländischen Filme neu synchronisiert werden?
- Stellen Sie sich vor, in Hannover weigert sich jemand in der Stadtbehörde: 1.Mahnung, 2.Mahnung, Kündigung.
Es türmen sich also Fragen über Fragen auf.
Der BdV soll sich BITTE auf seine Kernaufgaben gem. Ihrer Satzung konzentrieren, nur deshalb sind wir Mitglieder!
Kommentar von Werner Franke  am  16.04.2019 11:11
Hier kann man nur die Lektüre des Werkes von George Orwell empfehlen. Warum kann der der prinzipiell geschätzte BdV sich nicht sich auf seine Kernaufgabe besinnen statt dieses ‚Neusprech‘ zu propagieren?
Kommentar von Detlef Jahn  am  16.04.2019 08:03
»Kein Vormarsch ist so schwer, wie der zurück zur Vernunft.« (Berthold Brecht)

Tja, für jede Art Unterdrückung wird zuerst die Sprache unterdrückt und nach dem Willen der Unterdrücker umgeformt – um nicht ›vergewaltigt‹ zu sagen – und wenn die Sprache dann genug deformiert äh, tschuldigung, umgeformt ist, dann dient sie der Umformung der Menschen, denen diese verformte Sprache dann gewaltsam auferlegt wird, indem verunglimpft wird, wer sich der Umformung widersetzen will um im nächsten Schritt durch »Verordnung« dann zum Gebrauch gezwungen zu werden.

Denn was ist das Ziel? Uns gleich zu machen.

Sind wir gleich? Entschieden nein!
Wir sind Männer, Frauen und… meinetwegen ›Diverse‹. Sind Männer und Frauen gleich? Sind ›Diverse‹ und Männer und Frauen gleich? Nein, das wird wohl jeder normal denkende Mensch vehement bestreiten.

Weshalb dann diese gesellschaftliche Sprachvergewaltigung?
Weil wir gleichGEMACHT werden sollen, um von der alltäglichen Ungleichbehandlung abzulenken.
Wir SOLLEN eben gerade NICHT gleich behandelt werden – Frauen SOLLEN eben gerade NICHT gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen, Menschen in den übernommenen Bundesländern SOLLEN eben gerade NICHT gleich viel verdienen, wie die in den besserwissenden Bundesländern. Gleichgeschlechtliche Paare SOLLEN eben gerade NICHT die gleichen Familienrechte haben, wie »normale« Paare.

Weil die Unternehmensinhaber Geld sparen, wenn sie keine geschlechtergetrennten Toiletten einrichten müssen und alle auf dasselbe Klo gehen »dürfen«, das jetzt in Neusprech »Unisex« genannt wird.

Statt irgendwelchen (Sprach)Ideologen aufzusitzen, sollten wir vielleicht erst einmal lernen, unsere Unterschiede zu akzeptieren und dann besser daran arbeiten uns gegenseitig den selben Respekt entgegenzubringen – uns gegenseitig gleich zu BEHANDELN, anstatt uns gleich MACHEN (lassen) zu wollen.

Wer diesem Zug hinterherrennt hat da so einiges nicht verstanden – wie jetzt auch der BdV-Vorstand (der schon lange eine eigene Kaste ist, in der interne Ränkespiele wichtiger sind, als das eigentliche Anliegen des Vereins, lt. Satzung.

Der Verein sollte vielleicht darüber diskutieren, ob es nicht wichtigere Probleme auf der Welt gibt und ob noch die richtigen Personen an den richtigen Stellen sitzen und ob mit unserem Vereinsgeldern die korrekten Dinge finanziert werden…

Mit kopfschüttelnden Grüßen
Detlef Jahn

PS:
Da wird es wohl in den nächsten Tagen mal einen Blogartikel bei mir zum Thema geben, der sich dann hierauf beziehen wird. Zu finden dann auf www.Unruheraum.de
→ Es wird also wahrscheinlich eher wenig nützen, wenn diser Kommentar ggf. nicht durch die redaktionelle Prüfung gelassen werden sollte.
;-)
Kommentar von revene  am  16.04.2019 07:47
Auch ich muss Ihnen mitteilen, dass ich diese vergewaltigten "genderneutralen" Texte nicht bereit bin zu lesen. Artikel in den diversen Ausprägungen dieser Textverbiegungen können nicht so interessant sein, dass ich mir dies zumute. Für den Fall, dass sich dies bei Ihnen durchsetzt, werde auch ich mich hier verabschieden und meine - von mir geschätzte - Mitgliedschaft kündigen. Frohe Ostertage.
Kommentar von roland kropf  am  15.04.2019 22:23
immer wenn menschen unterfordert sind,kommen sie auf dumme gedanken.wie eben dieser klägliche versuch,sein-ihr gefühltes defizit an selbstwert z.b. durch so ein erbärmliches affentheater wie die gender-
ifizierung wieder wettzumachen.fällt eigentlich niemandem auf,dass die deutsche sprache ohnehin dabei ist,durch das verdenglischende kauderwelsch langsam aber sicher für die breite masse zu verschwinden.das "bildungsbürgertum",welches in wort und schrift "GRUNDPRINZIPIEN;GEGENREAKTIONEN;EMINENT WICHTIGE ENDFINALSPIELE "absonder,braucht die genderifizierug !dabeisein gelle?
Kommentar von Ulrich und Ute Pommerien  am  15.04.2019 20:39
Wir begrüßen die gendergerechte Formulierung, da Sprache unser Bewusstsein formt. Wer sich intensiver in die dazu vorliegenden Studien einliest, wird einen anderen Blick auf die Thematik gewinnen. Wir fühlen uns in der Einschätzung bestätigt, dass der BdV ein aufgeschlossener und moderner Verband ist, dem wir gerne treu bleiben.
Kommentar von Peter  am  15.04.2019 20:13
Schließe mich dem Kommentar von Herrn Christian Kunz an
und werde meine Mitgliedschaft überdenken, wenn dieser Unsinn weiter betrieben werden sollte.
"Es lässt sich kein wirkungsvolleres Mittel denken,
den Menschen seiner individuellen Handlungsfähigkeit
und Urteilskraft zu berauben, ohne ihm zugleich
physisch Gewalt anzutun, als ihn zur Benutzung
einer entsprechend präparierten Sprache zu bringen."
Erasmus Schöfer
Kommentar von Christian Kunz  am  15.04.2019 18:27
Schade, daß auch Sie diese zerstörerische Vergewaltigung von Sprache und Denken mitmachen. Ich werde meine Mitgliedschaft bei Ihnen kündigen.
Kommentar von Hans Hauser  am  14.03.2019 11:39
Ich finde das Lesen dieser Texte sehr anstrengend und frage mich, wie diese Sternchenworte auch genderneutral vorgelesen werden können. Wenn es aber weiterhilft, sollte der BDV doch bitte auch die eigenen rechtlichen Hinweise und Kommentarrichtlinien etc. unter dem Genderaspekt betrachten ;-)
Antwort von  am  18.03.2019 08:45

Hallo Herr Hauser, wo Sie recht haben, haben Sie recht. Danke für Ihren Hinweis. Wir werden die Texte entsprechend anschauen und anpassen. Auch wir üben mitunter das Gendern noch.

Das BdV-Team

 


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