Kleinleins Klartext
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Vermittlersterben - die Drecksarbeit bleibt bei Politik und Verbraucherschutz

Vermittlersterben - die Drecksarbeit bleibt bei Politik und Verbraucherschutz

 17.05.2017 Kleinleins Klartext 8 Kommentare Axel Kleinlein

Es gibt zu viele Vermittler, also Makler, Einfirmenvertreter, Mehrfirmenvertreter, Feierabendvertreter, Versicherungsagenten, Versicherungsverkäufer… Egal wie der Berufsstand beschrieben wird: Derzeit hört man oft, dass es zu viele Menschen gäbe, die ihr Geld damit verdienen, Versicherungsverträge den Verbrauchern anzudienen.

Dieses Jammern über zu viele Vermittler ist nicht neu. Gerade wir aus dem Verbraucherschutz haben uns schon seit längerem darüber beklagt, dass dieses „Zuviel“ an Vermittlern zu unschönen Auswüchsen führt. Da werden von den vielen Vermittlern zum Beispiel überflüssige Verträge verkauft, um überhaupt noch Geschäft zu machen. Manchmal werden die Versicherten von den Vermittlern dazu überredet, schon bestehende Verträge zu kündigen, um dann in einen anderen Vertrag zu wechseln. Warum? Dieses „Umdecken“ ist eben eine Provisionsmaschine.

Neu ist aber, dass nun auch die Versicherungsmanager darüber reden, dass ihre Vertriebe zu groß sind. Manchmal wird das in aller Öffentlichkeit diskutiert (wie etwa jetzt bei der ERGO), meist sind es aber eher die Hinterzimmergespräche, in denen die Manager ihre Sorgen äußern.

So richtig wissen nämlich auch die Manager nicht, wie sie sich der Teile des Vertriebs entledigen können, die ihnen zu viel werden. So mancher Versicherer würde gerne den eigenen Vertrieb ziemlich eindampfen. Er traut sich aber nicht. Denn dann würde ein Shitstorm durch die ganze Vertriebslandschaft gehen, der dann das Unternehmen insgesamt in Mitleidenschaft zieht.

Was tun, um den überflüssigen Vertrieb zu entsorgen?

Manche Versicherer haben ja auch eine private Krankenversicherung im Konzern. Und die können von ganz großartigen Erfahrungen berichten. Vor ein paar Jahren war der Gesetzgeber nämlich so genervt von den Provisionsexzessen in der PKV, so dass er kurzerhand einen Provisionsdeckel gesetzlich einführte. Und von einem Tag zum anderen bekamen die Vertriebe für PKV-Verträge weniger Geld. Das Schöne für die Versicherer: Sie konnten die Provisionen runtersetzen und damit den Vertrieb ausdünnen, ohne dass sie jemand verantwortlich machen konnte!

Und jetzt gibt es den einen oder anderen Versicherer der auf einen ähnlichen Effekt für den gesamten Vertrieb hofft. Denn derzeit wird die Umsetzung der Vermittlerrichtlinie (IDD) im politischen Berlin diskutiert. Das heißt: Jetzt werden die Weichen gestellt, wie zukünftig Vertrieb funktionieren soll.

Und wie der Zufall es so will, geht es in den Diskussionen auch darum, ob und in welcher Höhe zukünftig überhaupt Provisionen gezahlt werden dürfen. Und hinter vorgehaltener Hand höre ich bei Versicherern auch Zuspruch, für Positionen des Verbraucherschutzes. Nicht weil die Versicherer auf einmal kundenfreundlicher werden wollen, sondern weil sie eben dann den Vertrieb einschmelzen zu können.

Die Strategie ist einfach: Der Verbraucherschutz soll auf die Politik einwirken, damit die dann die Provisionen gesetzlich eindämmt, so dass der Vertrieb dann automatisch kleiner wird. Dann könnten die Versicherer den schwarzen Peter dem Verbraucherschutz und der Politik zuschieben und wären in den Augen ihres Vertriebs fein raus.

Dabei haben die Versicherer die missliche Lage selbst verbockt. Sie haben einen viel zu großen Vertrieb hochgezüchtet, von dem schon seit Jahren klar war, dass dieser auf Dauer nicht mit genug Geschäft versorgt werden kann. Wer, wenn nicht die Versicherungswirtschaft kennt denn die Demographie und die damit einhergehenden Umsatzeinbußen? Haben die Versicherer behutsam geplant und ihre Vertriebe zukunftsfest gemacht?

Nein, viele Unternehmen haben es versäumt die Vertriebe für die Zukunft auf eine angemessene Größe zu reduzieren. Jetzt sollen Verbraucherschützer und Politik als Buhmänner (und –frauen) die Fehler der Versicherungswirtschaft ausbügeln. Mal wieder übernimmt die Branche nicht die Verantwortung für ihr Handeln. Schade. Da wird erneut Vertrauen verspielt.


Kommentare
Kommentar von Tiller am  17.06.2017 05:11
Offenbar ist der BdV nicht ganz im Bilde. Es gibt bei vielen Versicherern sog. REF Rellay's. Hier werden Schmuck, Reisen, Autos, Rentenansprüche "verlost".
Ich denke langfristig wird nur helfen den Menschen zu erklären wie Makler Ihre Provisionen verdienen und "wie hoch" die Provision für den Maker ist und zwar bei jedem Angebot muss dieser Betrag direkt unter dem Preis des Angebotes stehen.
Dann wird klar das sich eine Lebensversicherung nicht lohnen kann wenn der Vermittler 3.000€ provision direkt im ersten Jahr bekommt. Natürlich müssen wir als Makler auch Geld verdienen, aber warum soll der Kunde nicht wissen was wir verdienen.
Ähnlich ist das in anderen Sektoren z.B. Esotherik -> Viversum 1,99€ pro Minute und auf http://traum-deutung.de im self Service kostenfrei. Also Jungs Branche wechseln und bei Viversum an der Hotline sitzen ;-)
Kommentar von vvz GmbH am  23.05.2017 10:33
Herr Lahmeyer, Sie bringen es auf den Punkt, dem ist kaum etwas hinzu zu fügen. Solche Typen sind zum "kotzen".
Kommentar von Marcus Schnelker  am  22.05.2017 19:46
Sehr geehrter Herr Kleinlein ,
mit jeder Ihrer in regelmäßigen Abständen veröffentlichten Wortmeldungen wird doch immer mehr klar, dass ohne Sie ( ! ) Verbraucherschutz in Deutschland undenkbar scheint.
Kommentar von Michael Döring am  19.05.2017 15:12
Als Makler bin ich seit bald 25 Jahren am Markt. Vertriebskosten habe ich mangels Marketing keine, d.h. ich hetze anders als die ganzen selbsternannten "Verbraucherschützer" (das ist kein Berufsbild) nicht von Presse zu Pressetermin und werde auch nicht zu mehr als 90 Prozent aus Steuergeldern finanziert wie die Verbraucherzentralen ausweislich ihrer Bilanzen.

Im Privatkundengeschäft komme ich bei solider Kalkulation erst nach Jahren in die Gewinnzone, d.h. die Kosten für Risiko- und Marktanalyse übersteigen die Jahreseinahme für den vermittelten Vertrag stets.

Der BdV mit seiner Konstruktion als Verein (Beiträge) mit angeschlossenem Maklerbetrieb (Cpurtageeinnahmen) und der Vermittlung von Gruppenversicherungen agiert streng genommen in einem grenzwertigen Bereich.

Die Art der Argumentation ist unsauber, basiert auf schlechten Beispielen statt auf repräsentativen Darstellungen und versucht so Marktteilnehmer für sich zu gewinnen.
Das ist eher als Marktschreierei denn als solide, konservative Arbeit zu bezeichnen.
Kommentar von Ditmar Gall am  18.05.2017 15:47
Klar dürfte auch Herrn Kleinlein sein, das gerade ab der Jahrtausendwende die Aktion "Zukunftswettbewerb" (ich nenne es mal so) gestartet wurde. Alle Vertreibe, die der Gesellschaften und Schneeballsysteme, sog. Vermögensberatungen und Strukturvertriebe) haben intensiv eingestellt, damit Sie später (nach VVG 2007 hat sich die Vermittleranzahl wegen fehlender Sachkundenachweise hast halbiert) nur noch die starken mit freiwerdenden Beständen füttern können.
Wer echte Beratungsleistung mit Nachhaltigkeit an den tag legen, sollte auch entsprechend verdienen. Die Verbraucherverbände sollte die schwarzen Schafe mit auffinden helfen, durch das gesamte Spektrum an Vermittlern und Rechtsanwälte sollten die Fälle von Falschberatungen auch unter 5.000€ Streitwert aufnehmen, dann kriegen wir schneller klar Schiff. Ach so, auch die Versicherungsvermittlung des BdV sollte seine angebotenen Tarife auf den Prüfstand stellen, denn sie sind ja Makler....und bekommen für diese Tarife zu viel Provision.
Beste Grüße
Kommentar von Stefan Lahmeyer am  18.05.2017 11:06
Lieber "Kollege" Elias,
eigentlich schreiben Sie doch - ich übersetzte einmal: Ich habe selber 2 Jahre als "ja als was weiß ich auch nicht genau - sonst würde ich es ja nicht in Anführungszeichen setzen" gearbeitet. Dabei habe ich nur auf die Provision geachtet.... Traurigerweise habe ich mit Kollegen umgeben, die die gleiche miese Masche anwenden.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie man von sich auf andere schließt und das in einem Forum beim Verbraucherschutz als allgemeingültig darstellt.

Ich freue mich aber, dass Sie nicht mehr in diesem Markt tätig sind (jedenfalls interpretiere ich das so) und bin froh, dass ein Abzocker weniger die Ratsuchenden verarscht!
mfg
Stefan Lahmeyer
Kommentar von VVZ GmbH am  18.05.2017 10:30
Lieber "Kollege" Elias,
mit solchen Methoden werden die Akteure bestimmt nicht Jahrzehnte lang solide in ihrer Umgebung tätig sein können. Das sind in meinen Augen ( seit 1978 in einer Kleinstadt tätig ) schäbige Charaktere.
Kommentar von Elias am  18.05.2017 08:24
Finde ich eine sehr gute Entscheidung. Ich habe selber 2 Jahre als "Versicherungsmakler" gearbeitet. Da wird nur auf Provisionen geachtet. Neue Leute einstellen, um an die Familie ranzukommen und dann werden die Leute fallengelassen. Traurigerweise gilt das Klischee bei allen anderen Maklerbüros genauso, mit denen ich gesprochen habe.
Ich glaube das Zeitalter der Finanzbranche wäre mit dieser Entscheidung vorbei und die Digitalisierung kann kommen.

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