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Versicherungen verstehen

Umzug im Ausnahmezustand: Corona lässt grüßen

Umzug im Ausnahmezustand: Corona lässt grüßen

 06.04.2020  Versicherungen verstehen  0 Kommentare  Kim Paulsen

Morgens halb 10 in Deutschland – wie gewohnt herrscht im Dezember draußen eisige Kälte und ich liege noch ganz gemütlich unter zwei Decken eingekuschelt im Bett, da klingelt das Telefon. Eine unbekannte Rufnummer, wer könnte das sein, gehe ich schon ran?

Seit kurzem suche ich eine Wohnung in dem schönen Hamburger Stadtteil Eimsbüttel und habe dafür bei sämtlichen Internetportalen Profile angelegt und verschiedenste Makler, Genossenschaften und Privatpersonen angeschrieben. Vielleicht habe ich ja Glück – und so war es. Eine nette Dame am anderen Ende der Leitung fragt, ob ich noch Interesse an einer Wohnung habe, sie hätte meine Anzeige bei Ebay-Kleinanzeigen gesehen. Wer von Ihnen die Wohnungssituation in unseren Großstädten kennt, weiß, da muss sofort zugeschlagen werden. Direkt auf mein Fahrrad geschwungen, war ich keine 10 Minuten später bei der Besichtigung und habe direkt die Zusage bekommen. Strike.

Bis Ende März ist sie noch bewohnt, da bleibt also eine Menge Zeit den Umzug vernünftig zu planen. Angefangen mit einer Checkliste aus dem Internet, damit auch ja nichts vergessen wird. Die Reservierung für den Umzugswagen war schnell erledigt, dank WhatsApp & Co sind auch die Helfer*innen schon in Kenntnis gesetzt, natürlich ein paar mehr als benötigt, da man die ein oder andere Absage ja immer mit einplant. So ist es dann auch gekommen. Kurz vor dem Umzugstermin hat sich die Lage mit dem Coronavirus immer weiter verschlimmert und täglich kamen neue Informationen darüber, was man darf und was nicht.

Kann der Umzug überhaupt stattfinden?

Glück gehabt, noch herrscht keine Ausgangssperre und der Umzug kann, zumindest von der aktuellen Gesetzeslage her, stattfinden. Leider erreichen mich immer mehr Absagen meiner Helfer*innen, aus Angst sich mit Corona zu infizieren – vielleicht hätte ich auch nicht erwähnen sollen, dass es ohne Fahrstuhl ins 4. Obergeschoss geht…?

Auch der Mietwagen-Service ist einen Tag vor dem Umzug nicht mehr zu erreichen, Mist. Also schnell um Ersatz gekümmert, der Transporter von einem guten Freund steht noch zur Verfügung. Da er diesen nun auch selbst fährt, brauche ich mir um die Versicherung für das Fahrzeug keine Gedanken zu machen.

Mein Auto und Motorrad sollen allerdings auch mit - hierfür reicht die kurze Meldung an das Versicherungsunternehmen mit der Adressänderung. Da ich innerhalb desselben Stadtteils umziehe, ändern sich für mich keine prämienrelevanten Faktoren. Anderenfalls kann es sein, dass die Versicherungsgesellschaft die Prämien neu einstuft.

Aber was ist, wenn meine Gegenstände bei einem Unfall beschädigt werden?

Bei einer Spedition, bin ich mir sicher, ist meine Ladung zumindest bis zu einem bestimmten Wert versichert. Die gesetzliche Haftungsgrenze ist hier allerdings sehr gering (620 Euro pro Kubikmeter Transportvolumen). Ist mein Hausrat wertvoller, kann ich zusätzlich eine Transportversicherung abschließen. Damit wären beispielsweise auch Be- und Entladeschäden sowie Schäden, die aufgrund eines Unfalls während des Transports geschehen, versichert.

Aber auch über die Außenversicherung meiner Hausratversicherung sind meine Gegenstände während des Transports versichert, sofern eine abgesicherte Gefahr aus dem Bereich der Hausratversicherung eintritt. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn das Umzugsfahrzeug abbrennt oder ein bedingungsgemäßer Einbruchdiebstahl stattfindet.

Versicherungsschutz besteht in der Hausratversicherung übrigens auch vorübergehend in beiden Haushalten. Daher ist es nicht nur empfehlenswert, sondern auch verpflichtend, den Umzug rechtzeitig der Versicherung zu melden. Da sich meine Wohnfläche verringert hat, wird meine Versicherungsprämie ab jetzt sogar etwas günstiger. Wäre mein Prämiensatz gestiegen, hätte ich sogar ein Sonderkündigungsrecht, welches ich bis einen Monat nach Zugang der Mitteilung darüber ausüben hätte können.

Und wenn ein*e Helfer*in etwas kaputt macht?

Beim Umzug meines besten Kumpels ist mir beim Abstellen seines Flatscreens in den Umzugswagen die Halterung gebrochen. Dabei habe ich ihn tatsächlich mit Samthandschuhen angefasst und ganz vorsichtig abgestellt. Oder wie es ganz offiziell heißt: Ich habe die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nicht außer Acht gelassen. Ein Fall für meine private Haftpflichtversicherung? – ein klares jein. Denn eine Zahlung hätte diese voraussichtlich nicht geleistet, da kein Verschulden vorliegt, ich habe ja alles getan, um den Bildschirm nicht zu beschädigen. Die Halterung hat wahrscheinlich aufgrund des Alters nachgegeben.

Tipp: Ist die Klausel Gefälligkeitsschäden in der meiner Privathaftpflichtversicherung vereinbart, zahlt diese übrigens auf Wunsch von mir den Schaden auch dann, wenn kein Anspruch besteht.

Aber abgewehrt hätte sie die Forderung gegen mich, da in einer privaten Haftpflichtversicherung auch immer eine passive Rechtsschutzversicherung inbegriffen ist. Doch soweit ist es zum Glück gar nicht erst gekommen, der Bildschirm wurde kurzerhand ohne Halterung verkauft und ersetzt – es sollte eh ein neuer Fernseher her.

Seither hat er trotzdem damit gescherzt, dass er sich beim nächsten Umzug meinen TV vornehmen wird. Der Schaden wäre dann – bei vorsätzlicher Schädigung - allerdings ganz klar in seiner Privathaftpflichtversicherung nicht versichert.

Und die anderen Versicherungen?

Meiner Berufsunfähigkeitsversicherung hat es gereicht die neue Anschrift zu übermitteln. So ist es auch bei allen weiteren Personenversicherungen wie Lebens- und Rentenversicherungen, Unfallversicherungen oder Krankenversicherungen.

Weitere Informationen zum Thema Umzug können Sie unserem Infoblatt „Umzug und Versicherungen“ entnehmen.

Die wichtigsten Fragen zum Thema Corona und Versicherungen haben wir für Sie hier aufbereitet.

PS: Mein TV hat überlebt – und auch alle Umzugshelfer*innen sind gesund.


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