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BdV hilft!

Neulich vor der Elphi

Neulich vor der Elphi

 04.08.2021  BdV hilft!  0 Kommentare  Claudia Frenz

Endlich geht es mit dem Kulturleben wieder los! Das dachten meine Mutter und ich als ich kurzfristig Karten für ein Sommerkonzert mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester ergattern konnte. Großer Saal, spanischer Abend mit Bolero & Co. Was will man mehr, olé!

Beschwingt fuhren meine Mutter und ich los, den Bolero auf den Lippen, und freuten uns riesig. Wir waren natürlich rechtzeitig vor Ort und wollten noch eine Runde vor der Elphi drehen, um den schönen Sommerabend zu genießen. Leider kamen wir nicht weit. Auf einmal war meine Mutter weg. Sie lag der Länge nach mit dem Gesicht auf dem Pflaster. Oh mein Gott! Schock! Was war geschehen? Meine Mutter war über eine der silbernen Erhebungen gestolpert, mit denen die Ausfahrt aus der Tiefgarage der Elphi markiert ist. Sie heißen Schildkröten, wie uns der Arzt später erklärte. Jetzt lag meine Mutter blutend auf dem Boden. Zum Glück halfen uns nette Passanten auf und ein Mitarbeiter der Elphi brachte meiner Mutter ein Glas Wasser sowie Papiertücher und rief dann den Rettungswagen. Das wars mit dem schönen Abend. Den Rest verbrachten wir in der Notaufnahme des St. Georg Krankenhauses. Die Lippen meiner Mutter mussten genäht werden.

Leistet in so einem Fall eigentlich die private Unfallversicherung, wenn eine Invalidität bleiben sollte? Oder leistet sie evtl. für Schönheits-OPs an der geschundenen Lippe, die mangels medizinischer Notwendigkeit nicht von der Krankenversicherung bezahlt werden? Für die notwendigen Behandlungskosten kommt natürlich die Krankenversicherung auf.

Immerhin acht bis neun Millionen Unfälle passieren jährlich in Deutschland. Die meisten davon in der Freizeit, beim Sport oder im Haushalt. Um aus Unfällen resultierende dauerhafte Gesundheitsbeeinträchtigungen (Invalidität) abzusichern, benötigt man eine private Unfallversicherung.

Gemäß Versicherungsvertragsgesetz VVG liegt ein Unfall vor, „wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet ...“ Dazu zählt auch das Stolpern über eine Bodenunebenheit oder das Treten in eine Vertiefung (s. Blogbeitrag vom 13.5.2019).

Die Leistungen der privaten Unfallversicherung sind vor allem dafür gedacht, im Falle einer dauerhaften körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung aufgrund eines Unfalls mit einer vereinbarten Geldsumme Umbaumaßnahmen, medizinische Hilfsmittel oder andere erforderliche Anschaffungen zu finanzieren. Sie ist keine Absicherung der Arbeitskraft, also keine Berufsunfähigkeitsversicherung – was für meine Mutter als Rentnerin aber ohnehin keine Rolle spielt. Die Invaliditätsgrundsumme der Unfallversicherung sollte im Rentenalter mindestens 100.000 Euro betragen.

Je nach Tarif sind weitere Leistungen möglich, die nicht zwingend von einer Invalidität abhängen – etwa Kosten für kosmetische Operationen, „Gipsgeld“, Helmboni, Schmerzensgeld, Assistance-Leistungen oder Krankenhaustagegeld, aber auch eine Unfallrente oder eine Kapitalleistung im Todesfall. Nicht alle Leistungen sind für alle Personen sinnvoll. Und sie verteuern auch die Prämie. Man sollte daher gut abwägen, welche Leistungen tatsächlich persönlich sinnvoll sind. Senior*innen sollten beachten, dass bereits bestehende Krankheiten oder Gebrechen die Leistung einer Unfallversicherung vermindern können, sofern diese an der entstandenen Invalidität mitgewirkt haben. Dieser Prozentsatz (sogenannter Mitwirkungsanteil) ist im Kleingedruckten festgehalten. Je höher er ist, desto besser. Wir empfehlen beim BdV mindestens 50 Prozent.

Im BdV-Infoblatt „Unfall“ haben wir BdV-K.-o.-Kriterien zusammengestellt, die ein guter Tarif erfüllen sollte, sowie weitere sinnvolle Leistungen.

Schon gewusst? Bei Senioren-Unfallversicherungen gibt es häufig besondere Einschränkungen, auf die Sie unbedingt achten müssen. Siehe auch den Blogbeitrag „Ü65 - wenn sich mit dem Alter auch die Leistungen der Unfallversicherung ändern“

Für aktive Senior*innen kann eine Unfallversicherung sinnvoll sein, da bei regelmäßigem Sport oder Freizeitaktivitäten eine höhere Unfallgefahr besteht. Das kann auch bei einem Konzert buchstäblich „der Fall“ sein.

Gut zu wissen: Welche Versicherungen für Senior*innen sinnvoll sind, haben wir in der Broschüre „Gut versichert auch im Alter“ zusammengestellt.

Unfälle an und in der Elphi sollen übrigens nicht selten sein, wusste der Sanitäter zu berichten. Der muss es ja wissen.

Wer auch immer diese Markierung verzapft hat – es ist offenbar noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und hoffentlich fällt so schnell auch keiner vor der Elphi…